Drama der Diplomatie
Make love, not war!» In einer zugespitzten Weltsituation hat dieser Aufruf fast existenzielle Bedeutung. Der «Armida»-Stoff aus Torquato Tassos Epos «Das befreite Jerusalem» behauptete durch die Jahrhunderte hindurch dennoch das Gegenteil: Männliche (Kriegs-)Disziplin sei besser als erotische Verweichlichung. In Potsdam entwickelt Haydns Vertonung eine packend expressive, emotional dichte und poetisch wirksame Dynamik.
Björn Reinke gibt in seiner zwar plausibel konstruierten, aber wenig präzisen Personenregie nicht dem zwischen Liebe und Pflicht zerrissenen Kreuzfahrer Rinaldo recht, sondern der von ihren Gefühlen geleiteten Nicht-Zauberin Armida. Am Ende ist Rinaldo tot. Reinke setzt so einen bitteren Akzent anstelle des originalen Abschieds der Liebenden. Die für Krieg und Frieden stehenden Symbole – ein kleiner Myrtenbaum und ein Maschinengewehr – kommen wieder in die Vitrinen im Konferenzraum des syrischen Königs Idreno.
Sibylle Gädekes sachlich moderner, sich in den Prunk des Schlosstheaters dezent einfügender Bühnenraum bewegt sich zwischen Konferenztisch mit Schachspiel und nächtlichem Armee-Camp. Gädekes Kostüme sind weitaus schlichter als die vom Komponisten in seiner ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Roland H. Dippel
Am Abend des Jahres 1837 ging an der Pariser Oper der Tenorgesang eine freundliche Allianz mit der Athletik ein. Und zwar dank Gilbert Louis Duprez als Melchthal in Rossinis «Guillaume Tell»: In der Arie «Asile héréditaire» schleuderte er ein ut de poitrine, ein aus dem Brustregister gestemmtes hohes C, in den Raum wie ein Hammerwerfer sein Gerät. Es war quasi die...
In ihrer barocken Blütezeit rücken die Schöpfer von Stillleben nicht nur frische Früchte, Fische oder Blumen ins rechte Licht ihrer Ateliers. Niederländische, italienische, spanische, französische oder deutsche Meister der Malerei wählten allzu gern auch Musikinstrumente als ihren Gegenstand – mitunter in Verbindung mit kulinarischen Köstlichkeiten, deren...
Einen Moment gibt es an diesem merkwürdig übersteuerten Abend, da kehrt das Stück plötzlich zu sich selbst zurück: Akt vier, erste Szene. Soeben und parallel zum «Patria opressa!»-Chor, haben die Schergen des Königs die drei Kinder von Macduff hinterrücks erschossen und seiner Ehefrau brutal die Kehle durchgeschnitten, da tritt der darob in seiner Existenz...
