Im Dreieck über Kreuz
Kölner Opernproduktionen stemmen sich seit dem Auszug vom Offenbachplatz gegen die Not der Interims-Spielstätten. Im Staatenhaus funktionierte das recht gut, wenn die räumliche Charakteristik des Provisoriums mitgedacht wurde. Die nun angelaufene Spielzeit wurde von Intendant Hein Mulders jedoch in der als gesichert geltenden Annahme geplant, wieder an alter Wirkungsstätte spielen zu können, mit großer Bühne und neuer Technik. Daraus wurde bekanntlich nichts, wieder einmal musste sehr kurzfristig umdisponiert werden.
Daher sollten eigentlich mildernde Umstände gelten, wenn eine Premiere wie Händels «Orlando» als nur wenig spannende, aseptische Stilübung über die Bühne geht. Die Produktion ist eine Übernahme des spanischen Festivals Perelada, eine typische Reise-Inszenierung mit kompakt gebautem Bühnenbild, kleinem Cast und wenig Requisiten. Nun muss Minimalismus nicht per se ein Nachteil sein, Reduktion begünstigt oft Konzentration und Intensivierung, aber hier entsteht der Eindruck einer ästhetischen Beliebigkeit.
Dabei geht es um letzte Dinge, um Liebeswahn, Eifersucht, Ich-Verlust und fluide Geschlechteridentitäten. In Köln ist davon nichts zu sehen. Die Bühne ist ein ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Regine Müller
Erinnerungen – manchmal sind sie so federleicht wie ein Schmetterling, manchmal tückisch wie ein Hinterhalt. Und nicht selten schleichen die Boten des Unbewussten, denen Marcel Proust in seinem epischen Roman «A la recherche du temps perdu» das vielleicht beeindruckendste literarische Denkmal gesetzt hat, weil er sie zur Kunstform selbst stilisierte, so heimlich,...
Einige Zeit ist das her, 16 Jahre genau, als er vom Dirigenten ständig ausgebremst wurde. Zu viel Dampf, zu viel Dezibel: Nikolaus Harnoncourt musste sich mit seinem Idomeneo-Sänger bei der Grazer Styriarte erst ins Benehmen setzen, wie er einmal im persönlichen Gespräch erzählte. Das Ergebnis gab dem (damals auch inszenierenden) Maestro Recht: Ein Kreter-König mit...
Am Abend des Jahres 1837 ging an der Pariser Oper der Tenorgesang eine freundliche Allianz mit der Athletik ein. Und zwar dank Gilbert Louis Duprez als Melchthal in Rossinis «Guillaume Tell»: In der Arie «Asile héréditaire» schleuderte er ein ut de poitrine, ein aus dem Brustregister gestemmtes hohes C, in den Raum wie ein Hammerwerfer sein Gerät. Es war quasi die...
