Im Dreieck über Kreuz
Kölner Opernproduktionen stemmen sich seit dem Auszug vom Offenbachplatz gegen die Not der Interims-Spielstätten. Im Staatenhaus funktionierte das recht gut, wenn die räumliche Charakteristik des Provisoriums mitgedacht wurde. Die nun angelaufene Spielzeit wurde von Intendant Hein Mulders jedoch in der als gesichert geltenden Annahme geplant, wieder an alter Wirkungsstätte spielen zu können, mit großer Bühne und neuer Technik. Daraus wurde bekanntlich nichts, wieder einmal musste sehr kurzfristig umdisponiert werden.
Daher sollten eigentlich mildernde Umstände gelten, wenn eine Premiere wie Händels «Orlando» als nur wenig spannende, aseptische Stilübung über die Bühne geht. Die Produktion ist eine Übernahme des spanischen Festivals Perelada, eine typische Reise-Inszenierung mit kompakt gebautem Bühnenbild, kleinem Cast und wenig Requisiten. Nun muss Minimalismus nicht per se ein Nachteil sein, Reduktion begünstigt oft Konzentration und Intensivierung, aber hier entsteht der Eindruck einer ästhetischen Beliebigkeit.
Dabei geht es um letzte Dinge, um Liebeswahn, Eifersucht, Ich-Verlust und fluide Geschlechteridentitäten. In Köln ist davon nichts zu sehen. Die Bühne ist ein ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Regine Müller
Wie der Tag des Jüngsten Gerichts klingen könnte? Er könnte so klingen wie in der Motette «In furore iustissimae irae» von Antonio Vivaldi: herb, heftig, markerschütternd. Gleich die erste Arie lässt – aus gegebenem Anlass für Altstimme transponiert – keinen Zweifel daran: Gott zürnt dem Menschen, weil dieser ein Sünder ist, der sich einfach nicht bessern will. Und...
Nein, dieses Bild ist nicht bezaubernd schön, es ist be(d)rückend trist. Kaum sind die Freunde gegangen, schon klopft das Schicksal in schwer schleppenden Vierteln an die unsichtbare Tür, und man spür die ganze, große Einsamkeit eines Paars, das vermutlich längst weiß, wie die Sache enden wird. Hand in Hand, eng umschlungen, liegen Maraike Schröter als Mimì und...
Einen 41-Jährigen noch als Nachwuchs-Regisseur zu bezeichnen, verbietet sich eigentlich. Und doch wird Vasily Barkhatov als solcher gehandelt, vielleicht auch deshalb, weil er mit seiner dramatischen weißblonden Mähne und den weichen Gesichtszügen wesentlich jünger wirkt. Die tiefe Sprechstimme dagegen überrascht. Zum ersten Mal für Furore sorgte der 1983 in Moskau...
