Dänemark ist nah
Etwa so groß wie eine Schulaula ist der runde Theatersaal, wo an einem herbstlichen Nachmittag die Wiederaufnahme von Engelbert Humperdincks «Hänsel und Gretel» Premiere hat. Die Reihen sind an diesem Sonntag Nachmittag fast voll besetzt, und die Bestuhlung ist so eng, dass man höllisch aufpassen muss, dem Sitznachbarn nicht in die Rippen zu boxen oder dem Vordermann in den Nacken zu atmen. Intimer Stadttheater-Charme eben. Doch das optische Understatement täuscht über die wahre Größe des Flensburger Hauses hinweg.
Immerhin ist es Teil des größten Landestheaters Deutschlands, das vor einem halben Jahrhundert aus einem Zusammenschluss der Städte Flensburg, Rendsburg und Schleswig entstand. Weitere Spielorte der Musiktheaterproduktionen sind die Städte Husum, St. Peter-Ording, Meldorf, Brunsbüttel, Itzehoe und Neumünster. Bühnenbilder und Darsteller reisen unermüdlich zwischen den Standorten hin und her, für das Publikum gibt es einen Shuttle-Service, der im Ticketpreis inbegriffen ist. So kommt es, dass die Musik, die hier gespielt wird, bis in alle Winkel des Bundeslandes dringt.
Auf der Bahnstrecke Richtung Flensburg lässt indes kaum etwas darauf schließen, dass man in die ...
Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Reportage, Seite 52
von Anna Schors
Händel hat sie alle geliebt – die Eifersüchtigen und die Neidhammel, die Tyrannen und die Spieler, die Koketten und die Intriganten. Deswegen bekommt jede seiner Opernfiguren mindestens ein Arienjuwel von ihm geschenkt. In der Oper «Alcina» gibt es viele Juwelen, viele Figuren, und eine leidet herrlicher als die andere: die Zauberin und der von ihr manipulierte...
Kölner Opernproduktionen stemmen sich seit dem Auszug vom Offenbachplatz gegen die Not der Interims-Spielstätten. Im Staatenhaus funktionierte das recht gut, wenn die räumliche Charakteristik des Provisoriums mitgedacht wurde. Die nun angelaufene Spielzeit wurde von Intendant Hein Mulders jedoch in der als gesichert geltenden Annahme geplant, wieder an alter...
Wie der Tag des Jüngsten Gerichts klingen könnte? Er könnte so klingen wie in der Motette «In furore iustissimae irae» von Antonio Vivaldi: herb, heftig, markerschütternd. Gleich die erste Arie lässt – aus gegebenem Anlass für Altstimme transponiert – keinen Zweifel daran: Gott zürnt dem Menschen, weil dieser ein Sünder ist, der sich einfach nicht bessern will. Und...
