Erlösung gibt's hier keine

Verdi: La traviata am Nationaltheater Mannheim

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Stimmlich haben sich hier zwei gefunden: Seunghee Kho als Violetta Valery und Sung Min Song als Alfredo Germont geben, obschon beide eigentlich keine idealen Vertreter des Bel Canto, musikalisch ein prächtiges Paar ab. Eine exzellente Abstimmung mit dem Orchester hilft ihnen überdies; die Interimsspielstätte «Oper am Luisenpark» verfügt über eine schöne Balance zwischen Graben und Bühne.

Die lyrische Lesart des Gespanns passt jedenfalls äußerst gut zu Verdis realistischer Sichtweise auf den Totentanz der vom «richtigen» Weg Abgekommenen und zur fatalen Mixtur aus Lebenslust und Zerfall.

Das herausstechende Merkmal der Violetta in Luise Kautz’ Inszenierung sind ihre roten Haare. Ein überreifes Vitalitätssignal im sterbenden Körper. Damit ist sie auch erwachsener als Alfredo, der mit der Farbe seines Jacketts in der einleitenden Festorgie ein grüner Junge ist. Vertrauen zu haben, das muss er erst noch lernen, doch als er es gelernt hat, ist es auch schon zu spät. So opfert sich Violetta am Ende für das von dessen Vater ihr abgepresste Familienglück auf dem Altar der Liebe. Aufgebahrt liegt die Lebedame nach einem letzten Aufbäumen auf den Altarstufen vor dem dreiflügeligen Schrein, ...

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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Bernd Künzig

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