Erlösung gibt's hier keine
Stimmlich haben sich hier zwei gefunden: Seunghee Kho als Violetta Valery und Sung Min Song als Alfredo Germont geben, obschon beide eigentlich keine idealen Vertreter des Bel Canto, musikalisch ein prächtiges Paar ab. Eine exzellente Abstimmung mit dem Orchester hilft ihnen überdies; die Interimsspielstätte «Oper am Luisenpark» verfügt über eine schöne Balance zwischen Graben und Bühne.
Die lyrische Lesart des Gespanns passt jedenfalls äußerst gut zu Verdis realistischer Sichtweise auf den Totentanz der vom «richtigen» Weg Abgekommenen und zur fatalen Mixtur aus Lebenslust und Zerfall.
Das herausstechende Merkmal der Violetta in Luise Kautz’ Inszenierung sind ihre roten Haare. Ein überreifes Vitalitätssignal im sterbenden Körper. Damit ist sie auch erwachsener als Alfredo, der mit der Farbe seines Jacketts in der einleitenden Festorgie ein grüner Junge ist. Vertrauen zu haben, das muss er erst noch lernen, doch als er es gelernt hat, ist es auch schon zu spät. So opfert sich Violetta am Ende für das von dessen Vater ihr abgepresste Familienglück auf dem Altar der Liebe. Aufgebahrt liegt die Lebedame nach einem letzten Aufbäumen auf den Altarstufen vor dem dreiflügeligen Schrein, ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Bernd Künzig
Wie der Tag des Jüngsten Gerichts klingen könnte? Er könnte so klingen wie in der Motette «In furore iustissimae irae» von Antonio Vivaldi: herb, heftig, markerschütternd. Gleich die erste Arie lässt – aus gegebenem Anlass für Altstimme transponiert – keinen Zweifel daran: Gott zürnt dem Menschen, weil dieser ein Sünder ist, der sich einfach nicht bessern will. Und...
Kinderoper, so kann man wohl sagen, ist die härteste Disziplin im Opernhandwerk. Alles, was eigentlich auch der erwachsene Zuschauer will: Verständlichkeit, Überraschung, Humor, Poesie – hier muss es unbedingt geliefert werden, sonst verliert man einen ganzen Saal. Dann wird mit Programmheften geraschelt, gequängelt, gequatscht und gestöhnt. An der Komischen Oper...
Lieber Herr Konwitschny, ist die beste aller möglichen Welten noch zu retten?
Woher soll ich das denn wissen? Allein die Frage ist schon falsch. Jedenfalls kann ich sie nicht beantworten. Aber ich will es mal so sagen: Es wäre furchtbar, wenn es so bliebe, wie es jetzt ist.
Wie aber sollen wir die Generation unserer Kinder davon überzeugen, dass der Hegel’sche...
