Die Realität ist boshafter

Wagner: Lohengrin MOSKAU/ BOLSCHOI THEATER

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Zum eindrucksvollsten theatralischen Moment dieser Aufführung geriet der Beginn des dritten Aktes: Ortrud, die Hexe im roten Gewand, breitete inmitten der Bühne zu den strahlenden Klängen des Hochzeitsmarsches ihre Zaubersteine aus. Als ob Europa gerade den Schrecken der Pandemie entronnen wäre und der russische Wahnsinn sich nun anschickte, alles um sich herum zu vernichten.

Zufall oder nicht: Maria Lobanova war die einzige russische Solistin in der Premiere von Wagners «Lohengrin», alle anderen Sängerinnen und Sänger kamen aus europäischen Ländern (Österreich, Kroatien, Deutschland) sowie aus Australien und Südafrika; der Regisseur war aus Kanada angereist.

Am besten gelang der dritte Akt: Tomislav Mužek gereichte es an hinreichender lyrischer Innerlichkeit, um Lohengrin nicht ins «Offizielle» abgleiten zu lassen und ihm ein Eigenleben zu geben; daran konnte selbst die triviale Inszenierung von François Girard nichts ändern. Den traurigsten Eindruck machte der Chor (Valery Borisov): Schon schlimm genug, dass er gleichförmig und stillos sang. Doch die wie festgenagelt auf der Bühne (Tim Yip, der auch die unansehnlichen Kostüme verantwortete) stehenden Choristen waren darüber ...

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Opernwelt April 2022
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Alexej Parin

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