Gut, besser, Principessa
Giacomo Puccinis wunderschöne – legendär kurze, momenthaft sich verflüchtigende und dabei monumental wirkungsmächtige – Arien haben selten ein «richtiges» Ende. Puccini hat seinen Wagner studiert, nicht nur, was das Durchkomponieren angeht. Und so fällt der stürmische Applaus für Angelos Samartzis’ «Nessun dorma» zu Beginn des dritten «Turandot»-Akts direkt in die nächste Szene der Minister Ping, Pang und Pong hinein. Man glaubt sich in Italien. So viel Emotion! Doch wir sind in Saarbrücken, im Saarländischen Staatstheater. Und auch in Aachen wird gefeiert.
So viel (vermeintliche) Provinz war selten (so begeistert).
Prinzessin Turandots einstige (unbescholtene, verehrte) Vor-Vor-Vorgängerin war von einem Fremden vergewaltigt worden. Turandot verharrt starr und hart in dieser schrecklichen Tradition – und schützt sich rächend vor potenziell ähnlichen Übergriffen, indem sie Heiratsanwärtern unmögliche Rätsel stellt – und die chancenlosen Männer nach erwartbarem Misserfolg umbringen lässt. Yes, she can! Viele Freiende (sie liegen auf Saarbrückens Bühne vielfach tot herum) gaben ihr Leben auf diese Weise bereits dran, und irgendwann hat selbst Turandots (vermeintlich) archaisches Volk ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Arno Lücker
Giorgio Strehler hatte einen Traum. Er träumte von einem Theater voller Schönheit, Freude, Musik, das nur durch «kleine Spritzer von Bitterkeit» irritiert würde, die aber rasch vergessen seien. Er träumte von einem «menschlicheren» Theater, das an die Welt gebunden ist, als Ganzes, im Guten wie im Bösen, im Bemühen wie im Kämpfen. Welt und Theater sollten, so...
Tora Augestad ist nicht zu fassen. Ein bisschen erinnert eine Begegnung mit ihrer Kunst an die Erkundung von Herzog Blaubarts Schloss: Mehrere «Türen» gibt es da, die man ganz behutsam öffnet, im Glauben, endlich auf den Schatz (oder zumindest auf irgendeine Erkenntnis) zu treffen, um dann doch jedes Mal ziemlich überrascht davon zu sein, was man in den Räumen...
Am Anfang waren da nur die Töne. Töne wie Tropfen, die sich zusehends verdichteten, zu stahlummantelten, mikrotonalen Trauben. Aber schon bald kamen die Bilder hinzu, in denen sich Georg, trauriger Antiheld in Arnulf Hermanns hermetisch-verrätseltem Musiktheater «Der Mieter» (nach Roland Topors Roman «Le Locataire chimérique»), verlor: Bienek’scher Zellenbewohner,...
