Aufbrüche, Umbrüche, Einbrüche
Die Lage bleibt unübersichtlich, die Suche nach Orientierung ein Abenteuer. So ungewiss, so haltlos wie das Leben im heutigen Russland, so brüchig ist auch das Verhältnis zu Tradition, Geschichte und Kunst geworden. Der allgemeinen Verunsicherung entsprechen ästhetische Provisorien, nicht zuletzt auf den (Musiktheater-)Bühnen.
Wie hält man es mit Tschaikowsky, mit Mussorgsky und anderen Ikonen der russischen Musik? Worin besteht die Aktualität eines Schostakowitsch? Was sagen Mozart oder Verdi unter den Bedingungen eines autoritären Staatskapitalismus, in dem Geld und Macht das Maß aller Dinge sind?
Am Bolschoi Theater versucht Dmitri Tscherniakow eine behutsame Entstaubung der musealen Pflege des Erbes, die dort jahrzehntelang dominierte. In diesem Sinne war Tscherniakows Inszenierung von Tschaikowskys «Eugen Onegin» die vielleicht wichtigste Neuproduktion der aktuellen Saison. In den ersten fünf ohne Pause gespielten Bildern führte er uns die brodelnde, ausgelassene Welt einer russischen Großfamilie vor. Man dachte an die Rostows in Tolstojs «Krieg und Frieden», an das seelisch gebrochene Personal in Tschechows «Onkel Wanja». Die Handlung spielt im Speisesaal eines ...
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Zugegeben, es sieht gut aus, was Ausstatter Denis Krief auf die Bühne des Staatstheaters Karlsruhe wuchtet. Zugegeben, die Personenführung in der «Götterdämmerung» hat der Regisseur gleichen Namens am sorgfältigsten ausgearbeitet. Trotzdem wird man mit diesem «Ring» szenisch nicht glücklich. Natürlich stellt Krief optische Bezüge zu den vorhergehenden Teilen der...
Eigentlich sollte der Januar beim Staatstheater Kassel ein opernloser Monat sein, denn das provisorische «Kuppeltheater» auf dem Friedrichsplatz schloss an Silvester seine Tore, das renovierte Opernhaus aber wird erst am 3. Februar mit «Tristan und Isolde» wiedereröffnet. Doch musste das Publikum nicht auf Musiktheater verzichten. Denn die gotische Brüderkirche,...
Als Carl Orff nacheinander die Dramen «Antigonae» und «Oedipus der Tyrann» von Sophokles sowie den «Gefesselten Prometheus» von Aischylos auf die Bühne brachte, da feierten seine Anhänger, darunter so prominente Lobredner wie der Tübinger Altphilologe Wolfgang Schadewaldt und der Münchner Musikologe Thrasybulos Georgiades, diesen Austritt aus der Moderne als...
