Aufbrüche, Umbrüche, Einbrüche
Die Lage bleibt unübersichtlich, die Suche nach Orientierung ein Abenteuer. So ungewiss, so haltlos wie das Leben im heutigen Russland, so brüchig ist auch das Verhältnis zu Tradition, Geschichte und Kunst geworden. Der allgemeinen Verunsicherung entsprechen ästhetische Provisorien, nicht zuletzt auf den (Musiktheater-)Bühnen.
Wie hält man es mit Tschaikowsky, mit Mussorgsky und anderen Ikonen der russischen Musik? Worin besteht die Aktualität eines Schostakowitsch? Was sagen Mozart oder Verdi unter den Bedingungen eines autoritären Staatskapitalismus, in dem Geld und Macht das Maß aller Dinge sind?
Am Bolschoi Theater versucht Dmitri Tscherniakow eine behutsame Entstaubung der musealen Pflege des Erbes, die dort jahrzehntelang dominierte. In diesem Sinne war Tscherniakows Inszenierung von Tschaikowskys «Eugen Onegin» die vielleicht wichtigste Neuproduktion der aktuellen Saison. In den ersten fünf ohne Pause gespielten Bildern führte er uns die brodelnde, ausgelassene Welt einer russischen Großfamilie vor. Man dachte an die Rostows in Tolstojs «Krieg und Frieden», an das seelisch gebrochene Personal in Tschechows «Onkel Wanja». Die Handlung spielt im Speisesaal eines ...
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Jubiläen haben ihr Gutes. Sie rufen vergessene oder beiseitegeschobene Komponisten in Erinnerung, befeuern die Wiederentdeckungsfantasie und fördern manchmal Werke ans Tageslicht, die zu Unrecht im Opernfundus verstauben. Das Jahr 2007 bietet Gelegenheit, bei einem Mann zu verweilen, der eigentlich nur durch eine einzige Arie bekannt geworden ist, die lange Zeit...
Eigentlich sollte der Januar beim Staatstheater Kassel ein opernloser Monat sein, denn das provisorische «Kuppeltheater» auf dem Friedrichsplatz schloss an Silvester seine Tore, das renovierte Opernhaus aber wird erst am 3. Februar mit «Tristan und Isolde» wiedereröffnet. Doch musste das Publikum nicht auf Musiktheater verzichten. Denn die gotische Brüderkirche,...
Neben der Semperoper mit ihren verschiedenen Spielstätten besitzt Dresden eine weitere treffliche Opernbühne: das 2005 (wieder-)eröffnete Kleine Haus des Staatsschauspiels. In seinem Verzicht auf Marmor, Pomp und Plüsch sowie in seiner technischen Ausstattung ist das abseits der Touristenströme gelegene Haus ideal für modernes Musiktheater mittlerer Größe – und war...
