Vision oder Häppchen?
Draußen, auf der anderen Seite der Durchgangsstraße, glänzt die Fassade des Ostbahnhofs. Drinnen im Foyer strahlt Neonlicht. Es weht einen kühl an, wenn man das neue «Radialsystem V» an der Spree betritt. Das Publikum erscheint größtenteils im schwarzen Büroanzug – zwar nicht auf den ganz großen Stil, doch spürbar auf den besonderen, auch exklusiven Kulturkonsum bedacht.
Die Plattenbaubewohner von Berlins östlicher Mitte, deren Siedlungen als Einzige in Sichtweite sind, dürften auf das «Dialogische Prinzip», mit dem das Radialsystem «Offenheit statt Abgrenzung» verspricht, nicht anspringen – dafür sind die Karten zu teuer. Doch das Haus mit einem künstlerischen Kuratorium unter Leitung der Choreografin Sasha Waltz versteht sich mehr als Raum fürs partikulare ästhetische Experiment zwischen Musik- und Tanztheater, weniger als Ort hochkultureller Breitenversorgung – und braucht als «Radialsystem V GmbH» mit privater Trägerschaft (und partieller Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes) keine Alibiveranstaltungen, um an den Inhalt des arg belagerten Berliner Kulturtopfes zu gelangen.
Die riesige Halle in dem alten Pumpwerk aus der Bismarckzeit verleugnet ihre ursprüngliche Funktion ...
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Es gehört zum Wesen guter Operetten, dass sie inhaltlich Gewichtiges ungestraft verlachen. An der elsässischen Opéra national du Rhin hat Regisseurin Mariame Clément diesen Nerv von Offenbachs «La belle Hélène» getroffen, indem sie die Handlung vom Mythos der Antike durch einen Mythos unserer Tage ersetzte – das Hollywood der zwanziger Jahre (opulente Ausstattung:...
So richtig freuen kann er sich nicht, der König. Obwohl sein Sohn Idamante dank des deus ex machina, der in Freiburg vom Chor und nicht – wie bei Mozart – von einem Bass gesungen wird, sein Leben behält. Der abgedankte König wendet sich ab von der Spielfläche und wirft einen imaginären Stein flach ins Publikum – das war’s dann also. Keine abgeschlagenen...
Keine Szene für Klaustrophobe. Überall drückt diverses Inventar. Die Kajüte bietet keinen wirklichen Freiraum. Waschbecken, Sessel, Koffer und Kisten. Im Hintergrund, zunächst ein wenig versteckt, steht eine durchsichtige Konserve. Darin, blutverschmiert, ein Kopf: Morold, Isoldes erschlagener Ex-Bräutigam. Ein Souvenir, ein seelischer Anker dieser Kopf. Isolde...
