Der weibliche Blick
Frau de Beer, Sie sind seit einigen Jahren eine der gefragtesten Regisseurinnen der jüngeren Generation. Zittern Sie dennoch zuweilen und stellen sich die Frage: «Wollen die mich noch?»
Ich zittere immer. Auch dann, wenn ich Anfragen für die nächsten zwölf Monate habe, aber für das Jahr danach noch gar nichts.
Ist das ein Grundgefühl auch während der Arbeit?
Nein, gar nicht. Ich habe einen tollen Beruf. Aber gerade deswegen ist die Angst so groß, dass es irgendwann aufhören könnte.
Ich wüsste wirklich nicht, was ich dann mit meinem Leben anfangen sollte.
Sie könnten Bücher schreiben, die Welt erkunden, in die Politik gehen ...
Aber das will ich alles nicht. Ich will Regie führen. Weil darin alles steckt, was ich mir wünsche. Ich kann spielen wie ein Kind, ich kann die ganze Realität in einen Rahmen stecken, und das gibt meinem Leben den nötigen Sinn. Das Allerschönste aber ist: Ich arbeite im Theater mit Menschen zusammen, und etwas Besseres gibt es nicht. Ich tauche mit anderen ab in eine Art Traumwelt. Und dort bin ich bis zur Premiere in einem solch tiefen Fluss, dass mich alles um die Inszenierung herum nicht mehr berührt. Der Probenraum ist für sechs Wochen mein Leben.
Wir ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Interview, Seite 24
von Jürgen Otten
Ihre Exzellenz war sichtlich not amused. Eines Kaisers und Königs unwürdig sei das, was sie da am Abend des 6. September 1791 auf der Bühne des Prager Nationaltheaters gesehen habe, schlimmer noch, «una porcheria tedesca», eine deutsche Sauerei. Weit gefehlt, möchte man der strengen Katholikin Maria Ludovica posthum zuraunen. «La clemenza di Tito» auf ein Libretto...
JUBILARE
Stein Winge absolvierte seine Ausbildung an der Academy of Dramatic Art in Oslo. Der Norweger, bereits als Produzent, Schauspiel- und Fernsehregisseur erfolgreich, wandte sich in den 1990er-Jahren verstärkt dem Musiktheater zu. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1993 mit seiner Lesart von Mussorgskys «Boris Godunow» am Grand Théâtre de Genève....
Candide, Voltaires unverbesserlicher Optimist von Leibniz’ Gnaden, war nach seiner Verbannung aus dem westfälischen Heimatschloss an vielen Orten dieser besten aller Welten zu Gast. Er durchstreifte Surinam und Paraguay, machte Abstecher nach Cadiz, Konstantinopel und Lissabon, suchte sein Glück (oder besser: die geliebte Cunégonde) in El Dorado, weilte in der...
