Der weibliche Blick
Frau de Beer, Sie sind seit einigen Jahren eine der gefragtesten Regisseurinnen der jüngeren Generation. Zittern Sie dennoch zuweilen und stellen sich die Frage: «Wollen die mich noch?»
Ich zittere immer. Auch dann, wenn ich Anfragen für die nächsten zwölf Monate habe, aber für das Jahr danach noch gar nichts.
Ist das ein Grundgefühl auch während der Arbeit?
Nein, gar nicht. Ich habe einen tollen Beruf. Aber gerade deswegen ist die Angst so groß, dass es irgendwann aufhören könnte.
Ich wüsste wirklich nicht, was ich dann mit meinem Leben anfangen sollte.
Sie könnten Bücher schreiben, die Welt erkunden, in die Politik gehen ...
Aber das will ich alles nicht. Ich will Regie führen. Weil darin alles steckt, was ich mir wünsche. Ich kann spielen wie ein Kind, ich kann die ganze Realität in einen Rahmen stecken, und das gibt meinem Leben den nötigen Sinn. Das Allerschönste aber ist: Ich arbeite im Theater mit Menschen zusammen, und etwas Besseres gibt es nicht. Ich tauche mit anderen ab in eine Art Traumwelt. Und dort bin ich bis zur Premiere in einem solch tiefen Fluss, dass mich alles um die Inszenierung herum nicht mehr berührt. Der Probenraum ist für sechs Wochen mein Leben.
Wir ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Interview, Seite 24
von Jürgen Otten
In der rheinischen Mundart gibt es einen Spruch von enormer Weltgültigkeit, den man ins Hochdeutsche übersetzen muss, damit ihn auch Hessen und Schwaben verstehen. Er lautet (grammatisch schief, aber egal): Es gibt kein größeres Leid, als was man sich selbst antut.
In unserem Fall bezieht sich der Satz auf die neue Box mit Aufnahmen des vor 50 Jahren gestorbenen...
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