Der Teufel sitzt im Labor

Gounod: Faust Amsterdam / De Nederlandse Opera

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Sehen sie nicht alle irgendwie geklont aus? Die Damen hinter den neonbeleuchteten Schaufenstern im Amsterdamer Rotlichtbezirk tragen uniform Perücken, sitzen, wenn überhaupt, in engem Latex da, blicken ausdrucklos unter dicken Makeup-Schichten oder zeigen totaloperierte Brüste. Und in dieser Gegend ­neben dem Hauptbahnhof scheint auch Àlex Ollé seine ästhetischen Feldstudien betrieben zu haben, bevor er auf der Bühne der Nationale Opera ein High-Tech-Bio-Labor für die Reproduktion käuflicher Ladys eingerichtet hat.



Doch unter den alles verzeihenden Augen der nunmehrigen Prinzessin Beatrix werden hier nicht Nebeneinnahmen für einen subventionsgedrosselten Kulturbetrieb generiert, der Frontmann von La Fura dels Baus inszeniert Charles Gounods «Faust», der leicht an seiner eigenen Kulinarik scheitern kann und oft als Salonplüsch empfunden wird, einfach mit ein wenig Lokalkolorit.

Das passt nicht nur sehr gut, die famos chorsingenden Barbies aus den roten Reagenzvierecken mit ihren uniformen Blondschöpfen und Riesenbrüsten fügen sich perfekt in die austauschbare Konsumgesellschaft, als die hier das Volk auftritt. Die Studenten sind Fußballspieler, die walzertanzenden Osterspaziergänger ...

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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Manuel Brug

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