Nachtstück
Es ist nicht so schlimm wie beim «Troubadour». Aber auch Verdis «Simon Boccanegra» erfordert einige Übersicht. Dass Liebe, Intrigen und Missverständnisse in ferner Vergangenheit wurzeln, wird den Figuren zum Verhängnis: Alle schauen wehmütig bis wütend zurück, anstatt sich um die Gestaltung der eigenen und der politischen Zukunft zu kümmern. Ganz besonders heikel wird es, wenn die Erklärungswut eines Regisseurs noch dazukommt. An der Dresdner Semperoper tappt dabei Jan Philipp Gloger in eine selbstgestellte Falle.
Was er sich als Verdeutlichung dachte, als Verbildlichung der Traumata, führt zu Verdoppelung und Verwirrung.
Gloger öffnet die Psychokiste, und heraus drängen Gespenster. Amelia als Kind, ihre Pflegerin als Hexe, Mutter Maria mit dem Messer an der eigenen Gurgel, der kleine Simon. Werden die Albdrücke singend beschworen, sind die stummen Doubles da, und Zauberlehrling Gloger wird ihrer nicht mehr Herr. Eine Inszenierung, die verdächtig an die Szenerien des Freud-Jüngers Claus Guth erinnert. Dabei kann Gloger auch anders. Das hat nicht nur sein geglücktes Operndebüt anno 2010 mit dem Augsburger «Figaro» bewiesen, das zeigen auch einige Szenen des Dresdner «Simon». Die ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Markus Thiel
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