Nachtstück
Es ist nicht so schlimm wie beim «Troubadour». Aber auch Verdis «Simon Boccanegra» erfordert einige Übersicht. Dass Liebe, Intrigen und Missverständnisse in ferner Vergangenheit wurzeln, wird den Figuren zum Verhängnis: Alle schauen wehmütig bis wütend zurück, anstatt sich um die Gestaltung der eigenen und der politischen Zukunft zu kümmern. Ganz besonders heikel wird es, wenn die Erklärungswut eines Regisseurs noch dazukommt. An der Dresdner Semperoper tappt dabei Jan Philipp Gloger in eine selbstgestellte Falle.
Was er sich als Verdeutlichung dachte, als Verbildlichung der Traumata, führt zu Verdoppelung und Verwirrung.
Gloger öffnet die Psychokiste, und heraus drängen Gespenster. Amelia als Kind, ihre Pflegerin als Hexe, Mutter Maria mit dem Messer an der eigenen Gurgel, der kleine Simon. Werden die Albdrücke singend beschworen, sind die stummen Doubles da, und Zauberlehrling Gloger wird ihrer nicht mehr Herr. Eine Inszenierung, die verdächtig an die Szenerien des Freud-Jüngers Claus Guth erinnert. Dabei kann Gloger auch anders. Das hat nicht nur sein geglücktes Operndebüt anno 2010 mit dem Augsburger «Figaro» bewiesen, das zeigen auch einige Szenen des Dresdner «Simon». Die ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Markus Thiel
Am 8. Juli 1947 notiert Thomas Mann in seinem Tagebuch, er habe ein «Neues, langes Schreiben von Furtwängler» erhalten und kommentiert lapidar: «töricht». Der Schriftsteller reagiert mit Schweigen.
Worum geht es? Im Mai 1947 kehrt Wilhelm Furtwängler nach seiner Entnazifizierung ans Pult der Berliner Philharmoniker zurück. Gleichzeitig befindet sich Mann, aus dem...
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In «Geschichten aus dem Wiener Wald» decouvriert Ödön von Horváth das «goldene Wienerherz». Sie sind Wiener.
Ich bin in Wien geboren. Aber ich habe mich wegen dieser vielen goldenen Wienerherzen entschlossen, niemals ein professioneller Wiener zu werden.
Horváth selbst war ja eher Un-Wiener.
Er wurde in Fiume, heute Rijeka, geboren und war ein typisches Gewächs der...
