Der Seelenkundler
Traetta wirkt. Viel Applaus am Ende – nach mehr als drei Stunden Schwindel erregenden Koloraturen, rasenden Orchesterläufen, virtuosen Soloinstrumenten, nach frappanten Choreinsätzen, ungewöhnlich gebauten Ensembles. Zweihundertvierundvierzig Jahre nachdem sie von Kurfürst Carl-Theodor in Auftrag gegeben wurde, steht «Sofonisba» wieder auf dem Mannheimer Spielplan.
Die Titelheldin ist eine karthagische Prinzessin. Ursprünglich dem ostnumidischen Prinzen Massinissa versprochen, wurde sie aber aus politischen Gründen mit dem Westnumidier Siface vermählt.
Der kämpft gegen die Römer, die sich unter der Leitung von Scipione in Nordafrika festgesetzt haben. Aufgrund der Nachricht von Sifaces Tod sieht sich Sofonisba als Sklavin im Triumphzug in Rom vorgeführt. Da macht sich Massinissa wieder Hoffnungen, wenn er – als Verbündeter Roms – sie heirate, könne sie diesem Schicksal entgehen. Sofonisba willigt zögernd ein. Da erscheint ihr tot geglaubter Gatte als Gefangener des Römers Scipione: komplette Verwirrung! Mord, Flucht, Kampf, alle Möglichkeiten werden durchdekliniert. Sofonisba nimmt sich am Ende das Leben, obwohl sich Scipione als der aufgeklärte Herrscher erwiesen hat: Er hat auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seit die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli ihr binnen kurzem zum Bestseller avanciertes Vivaldi-Recital vorstellte, ist das Interesse an den musikdramatischen Werken des «roten Priesters» sprunghaft angestiegen. Und schon lange beschränkt sich die Wiederentdeckung Vivaldis als Opernkomponist nicht mehr auf die Veröffentlichung erlesener Arien-Paraden. Das...
Dass Heinz Zednik, der Broucek der neuen Produktion von Janáceks Opernsatire an der Wiener Volksoper, als Kandidat im Nachfolgespiel um den vorzeitig aus dem Amte scheidenden Direktor Rudolf Berger kolportiert wurde (inzwischen hat er zu verstehen gegeben, dass er nicht mag), ist nicht ohne Pikanterie. Nicht Zedniks, sondern der von ihm verkörperten Figur wegen,...
Mozarts «Titus» hat Konjunktur (siehe OW 3/2006). Das hat damit zu tun, dass bei diesem Werk die Rezeption noch nicht so festgefahren ist wie bei den Da-Ponte-Opern. Das zeigte sich auch in der Münsteraner Inszenierung von Wolfgang Quetes. Bei ihm spielt die Kaiserdämmerung, zu der Mozart und sein librettistischer Mitarbeiter Mazzolà die Textvorlage von Metastasios...
