Isolde kann warten

Die Sopranistin Adrianne Pieczonka über ihr Faible für Musicals, einen pfleglichen Umgang mit der Stimme und die Gabe intuitiver Musikalität

Frau Pieczonka, Sie stammen aus Kanada. Ihr Name deutet eher auf Osteuropa.
Stimmt. Mein Vater ist gebürtiger Pole. Er ist 1938, also kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, mit seiner Familie nach Kanada ausgewandert. Meine Mutter ist Kanadierin. Solche Verbindungen sind dort, ähnlich wie in den USA, ganz normal. Die kanadische Gesellschaft ist eine Gesellschaft von Immigranten.

Hat Ihr Vater schon damals damit gerechnet, dass Hitler-Deutschland Polen überfallen würde?
Mein Vater war zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind.

Aber meinem Großvater, der sich politisch engagiert hatte, war offenbar sehr früh klar, dass die Entwicklung für Polen nicht gut ausgehen würde.

Wurde bei Ihnen zu Hause Polnisch gesprochen?
Nein. Ich bin mit Englisch und Französisch aufgewachsen, den beiden Landessprachen Kanadas. Mit der Emigration hat mein Vater seine Muttersprache praktisch aufgegeben. Er war nun stolz, die kanadische Staatsbürgerschaft zu besitzen. Manchmal bedauere ich es, nie Polnisch gelernt zu haben.   

Welchen Hintergrund hat Ihre Mutter?
Ihr Vater lebte ursprünglich in Kiew. Er stammte aus einer jüdischen Familie. Mit anderen Worten: Es gibt einen starken slawischen Akzent in meinem Leben. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: Interview, Seite 34
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Oberflächenreize

Niemand wird widersprechen: Der neue «Figaro» an Covent Garden sieht so gut aus, wie er klingt. Die Verwandlungen sind atemberaubend geschickt, das Dirigat ist elegant, die Besetzung gut. Jeder scheint zufrieden nach Hause zu gehen, oder? Nicht ganz. Denn es gibt ein Loch im Herzen dieses Abends, eine Kluft zwischen Ideen und psychologischem Verständnis. Szenischer...

Der Seelenkundler

Traetta wirkt. Viel Applaus am Ende – nach mehr als drei Stunden Schwindel erregenden Koloraturen, rasenden Orchesterläufen, virtuosen Soloinstrumenten, nach frappanten Choreinsätzen, ungewöhnlich gebauten Ensembles. Zwei­hundertvier­undvierzig Jahre nachdem sie von Kurfürst Carl-Theodor in Auftrag gegeben wurde, steht «Sofonisba» wieder auf dem Mannheimer...

Mozart: Don Giovanni

Don Giovanni weigert sich zu bereuen. Das treibt ihn in den Untergang. Normalerweise. Nicht so in Regensburg, wo Angela Brandt ihn als alle Grenzen überschreitenden Libertin vorstellt. Viel von seiner erotischen Ausstrahlung bleibt ­dabei auf der Strecke. Eine Bestrafung würde hier ins Leere zielen; sie findet ­daher nicht statt. Beim Schlusssextett winkt Don...