Rautavaara: Rasputin

Lübeck

Das Stück hört sich fast so an, als hätten sich Meyerbeer, Puccini und Mascagni zusammengetan, um einen neuen «Boris Godunow» zu schreiben. Aber mehr als eine plakative Kopie der «Grande Opéra» mit – teilweise – heutigen Mitteln ist nicht dabei herausgekommen, gestützt auf einen lehrhaft-banalen Text und belastet von der ermüdenden Länge des Immer-noch-einmal-sagen-Müssens.

Die vom Intendanten Marc Adam szenisch betreute deutsche (und deutschsprachige) Erstaufführung von Rautavaaras Historienoper «Rasputin», die Lübeck mit anerkennenswertem Bemühen auf die Bühne wuchtete, unterstrich die Schwächen des Werkes mit harmlos wirkenden dekorativen Tableaubildungen und müden Orgien; die Ausstattung von Julia Hansen verlor sich im Historisierenden.
Musikalisch waren durchaus Ansätze zu spüren, dem Substanzlosen Substanz zu verleihen. Etwa bei Vincent Le Texier, der in der Titelrolle mit eindrucksvoll knorrigem Bass seine Litaneien repetierte. Oder bei Veronika Waldner, die mit ihrem expressiven Mezzo der eher kolportagehaft angelegten Figur der leidenden und verführten Zarin Alexandra menschliche Tiefe abzugewinnen vermochte. Auch die übrigen der insgesamt fünfundzwanzig handelnden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 54
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mut zur Melodie

Herr Klebe, Sie haben eine Oper über Balzacs «La Peau de Chagrin», einen der Romane der «Comédie humaine», komponiert. Wie kam es zur Wahl dieses Stoffs?
Es ist jetzt fast fünfzig Jahre her, seit ich «Die tödlichen Wünsche» geschrieben habe. Ich habe damals mit meiner Frau zusammen sehr viel Balzac gelesen und war spontan überzeugt, dass das ein Opernstoff wäre....

Mozart: Don Giovanni

Don Giovanni weigert sich zu bereuen. Das treibt ihn in den Untergang. Normalerweise. Nicht so in Regensburg, wo Angela Brandt ihn als alle Grenzen überschreitenden Libertin vorstellt. Viel von seiner erotischen Ausstrahlung bleibt ­dabei auf der Strecke. Eine Bestrafung würde hier ins Leere zielen; sie findet ­daher nicht statt. Beim Schlusssextett winkt Don...

Der Grenzgänger

Das Hotel Tiffany in Genf, ein eher unscheinbares, aber gemütliches Hotel, ist längst sein zweites Zuhause. Hier, zehn Gehminuten vom Grand Théâtre, der Genfer Oper, entfernt, habe ich mich mit Armin Jordan, dem faszinierendsten Schweizer Dirigenten, getroffen. Am Abend dirigiert er Wagners «Tristan». Die Aufführung wird zu einem denkwürdigen Erlebnis. Die...