Der Mann vom Meer
Auch Dramaturgen haben ihre Lieblinge. Die einen zieht es zu Wagner und Verdi, andere verbringen die Hälfte ihrer Lebenszeit damit, den Kontinent Mozart zu erforschen, dritte können von Händel nicht lassen.
Norbert Abels, Chefdramaturg der Oper Frankfurt, Dozent und Autor einiger überaus lesenswerter Bücher zum Thema Musiktheater, fühlte sich im Verlauf seiner theatralen und publizistischen Tätigkeit immer wieder magisch vom Œuvre Benjamin Brittens angezogen, dessen Wirkungsmacht, wie er es nicht ohne Pathos formuliert, einen jahrhundertelangen Dornröschenschlaf auf der Insel beendet habe. Initial für diese «Renaissance der englischen Oper», so Abels, sei Brittens noch heute weithin bekannteste Oper «Peter Grimes», die inzwischen zu den meistgespielten Werken nach 1945 zählt; auch deswegen, weil man sie «aus der veristischen Umklammerung gelöst und für die Ästhetik des avancierten Regietheaters entdeckt» habe.
Und daraus macht der Autor keinen Hehl: Es ist die «produktionsdramaturgische Auseinandersetzung» mit den Opern Brittens, die ihn immer wieder zum Denken anregt. Einen weiteren möglichen Grund für die Faszination, die der zweite «Orpheus Britannicus» auf ihn ausübt, ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Jürgen Otten
Brittens «A Midsummer Night’s Dream» entstand im Winter 1959/60 zur Eröffnung der Jubilee Hall in seinem Wohnort Aldeburgh. Trotz der erweiterten Orchesterbesetzung handelt es sich bei dem (die Shakespeare-Vorlage geschickt kürzenden) Stück um eine Kammeroper, die in Mainz – vom Hausregisseur Niklaus Helbling inszeniert – nicht auf der großen Bühne, sondern im...
Am Anfang die Gewissheit. Es wird kein gutes Ende geben. Schon während der Ouvertüre, noch bevor der erste Ton gesungen ist, steht Marie vor dem abgetrennten Kopf ihres Geliebten Cinq-Mars. Doch das ist die Zukunft im Jahre 1642. Das unausweichliche Ende des Stücks. Die Liebe wird zum Opfer der Macht.
Charles Gounods «Der Rebell des Königs», uraufgeführt 1877 in...
Über Geschmack lässt sich nicht streiten, über Liebe schon gar nicht. Glaukos ist auf der Kieler Opernbühne ein kahlköpfiger blue man, mit weißem Bart und gelber Flosse. Sein maritimes Ambiente ist unschwer zu erkennen. So einen «blauglänzenden» Meeresgott konnte nur die griechische Mythologie hervorbringen. In der tragédie lyrique von Jean-Marie Leclair ist er zu...
