Unter Schleiern
Sie war der in der neueren Operngeschichte einmalige Fall einer Primadonna, die trotz einer Weltkarriere, die u. a. an die Metropolitan Opera New York und die Mailänder Scala führte, über mehr als drei Jahrzehnte festes Mitglied eines Hauses blieb, der Deutschen Oper Berlin. Ich habe Pilar Lorengar (der Vor- wie der Nachname wird übrigens auf der letzten Silbe betont) dort in vielen Rollen erlebt – von Mozart, Puccini und Verdi, aber auch als Wagners Elsa, Tschaikowskys Tatjana und Janáčeks Jenůfa.
Und erinnere sie als eine Sängerin von sehr würdevoller Ausstrahlung, aber eher gepflegtem Bühnentemperament.
Der 54-minütige Film von Arturo Méndiz will keine Künstlerbiografie sein. Details der künstlerischen Entwicklung werden nicht berührt, auch die Bühnenrollen und Interpretationen sind kein Thema, spärlich sind die eingefügten Musikbeispiele. «Voice & Mystery» (Untertitel) zielt auf das Geheimnis einer Persönlichkeit, die peinlich darauf bedacht war, nichts von sich preiszugeben.
Méndiz lässt Angehörige, Freunde und Weggefährten zu Wort kommen, bemüht sich um Diskretion bei der Offenlegung privater Dinge. Über ihr voreheliches Liebesleben wird ein Schleier gebreitet, der ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Ekkehard Pluta
Wenn das Land nach Dauerregen vom Sommer erfasst wird, treiben Englands Gärten aus wie kleine Tropenwälder. Saftig leuchtet Glyndebournes gestreifter Rasen. Jenseits des Ha-Has üben halbwüchsige Lämmer Bocksprünge, während im Kamin des Organ Rooms die Tauben gurren: Der Landsitz der Christies zeigt sich für Cavallis «Hipermestra» von seiner schönsten Seite.
Zwisch...
Das leibhaftige Leben ist ja manchmal sowas von verismo (um nicht zu sagen abgeschmackt), dass es noch den ausgebufftesten Poeten rechts überholt. Zum Beispiel im Fall von Anna Sutter, der Starsopranistin am Stuttgarter Hoftheater, einer bejubelten Carmen und bewunderten Salome: erschossen vom eifersüchtigen – weil ehemaligen – Liebhaber, einem Hofkapellmeister....
Zu einem Auftritt an der Met habe ich’s nie gebracht. Ich glaube auch kaum, dass es noch dazu kommt. Macht nichts; wahrscheinlich kämen wir, die Met und ich, ohnehin nicht miteinander aus. Ich habe mir da das eine oder andere angesehen: Stets schien mir das Publikum sehr betagt und konservativ. Wer nicht schon nach ein paar Takten selig schlummerte, beschwerte sich...
