Strenges Glück
Das Projekt Moderne ist politisch. An dieser Einsicht macht der rigorose Künstler Michael Gielen keine Abstriche. Künstlerischer Rigorismus ist bei ihm in politisch-moralischer Entschiedenheit begründet. Das hat auch biografische Wurzeln. Als Halbjude (Eduard Steuermann, der Pianist des Schönbergkreises, war Bruder seiner Mutter) in die Emigration getrieben, zählte er zu seinen elementaren Lebenserfahrungen die Todfeindschaft zwischen Faschismus und radikaler Kunstgesinnung.
Auch im Exil in Buenos Aires war ästhetische Unerbittlichkeit mit bürgerlichem Kulturbetrieb nicht kompatibel.
Nach Europa zurückgekehrt, hatte der Deutschösterreicher Gielen (geboren in Dresden, aufgewachsen in Wien) bald kurzzeitigere Chefposten (Stockholm, Amsterdam) inne, aber in Deutschland festigte sich sein Ruf als furchtloser Partiturknacker von Schwierigstem und Avanciertestem. Feuerprobe dafür war 1965 die Kölner Uraufführung der «Soldaten» von Bernd Alois Zimmermann. Dann kamen aber zwei «sesshafte» Tätigkeiten: das Opernjahrzehnt 1978-88 in Frankfurt am Main, anschließend die langjährige Verpflichtung beim SWF/SWR-Sinfonieorchester in Baden-Baden (und Freiburg). Die Frankfurter Ära ging in die ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Hans-Klaus Jungheinrich
Manchmal dokumentieren DVD-Mitschnitte aus großen Häusern, dass dort auch nur mit Wasser gekocht wird – wie in der Provinz. Etwa wenn es um Verdi geht. Erstes Beispiel: «I due Foscari» am Royal Opera House in London. Ein finsteres Kammerspiel machtpolitischer Ränke, mit dem Verdi die Choropern seiner Anfänge endgültig hinter sich ließ. Thaddeus Strassberger...
Das Kreischen der U-Bahn? Einfach ausgeblendet. Intime Unterhaltungen verschwitzter Fremder? Weg. Auf Knopfdruck verwandelt sich die Höllen-Soundscape in weise Worte. Oder Stille. Oder zu Janáček – was sich die jungen Leute eben so auf die Ohren knallen. Natürlich können längst auch viele dasselbe hören, kabellose Übertragungstechnik macht’s möglich. So lassen sich...
Anfangs hatte es Iko Freese mit der Oper nicht leicht. «Ich war ein Theaterjunkie, sagt er lachend, «und vom Schauspiel kommend fand ich sehr befremdlich, was die Sänger auf der Opernbühne machten. Keiner bewegte sich, es wurde viel herumgestanden, es ging nie um authentische Emotionen. Ich habe es gehasst, wenn mich ein Auftraggeber in die Oper schickte. Die Musik...
