Foto: Schubbay

Bayreuther Internationale

Kein anderer Komponist hat eine so weit verzweigte und gut organisierte Anhängerschaft wie Richard Wagner. In 125 Verbänden haben sich die Fans zusammengeschlossen. Aber was machen sie eigentlich? Ein Report

Opernwelt - Logo

Man muss sich die Mitglieder der Richard-Wagner-Verbände als glückliche Menschen vorstellen. Aber wenn die vergangenen Jahre eines gezeigt haben, dann dies: Es wäre ein Fehler, sich  darauf zu verlassen.

Um die Stimmung zu verstehen, die heute in der organisierten Anhängerschaft herrscht, muss man in der Verbandschronik ein paar Jahre zurückblättern. Etwa zum 21. März 2010, dem Todestag Wolfgang Wagners, der den Mitgliedern mehr galt als nur Wagner-Enkel und langjähriger Leiter der Bayreuther Festspiele. Er war Botschafter, Vaterfigur, Herz und Seele der Wagnerwelt.

In seiner Tochter Katharina hatte er nur für die Leitung der Festspiele eine Nachfolgerin gefunden. Oder zum 15. Dezember 2011, als die Richard-Wagner-Verbände auf der ganzen Welt ein Brief aus Bayreuth erreichte. Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, damals gemeinsam amtierende Festspielprinzipalinnen, erklärten darin, kein Interesse mehr zu haben an der unterstützenden Arbeit und dem Wohlwollen der Verbände – so jedenfalls kam die Botschaft an in New York, Tokio, Adelaide, Buenos Aires, Helsinki, London, Graz, Berlin, Würzburg und vielen anderen Städten. Tatsächlich stand in dem Brief etwas anderes: Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Report, Seite 50
von Florian Zinnecker

Weitere Beiträge
Editorial Juli 2017

Die Fahnen vor der Oper Halle sprechen eine poetische Sprache: «Alles brennt» steht da, schwarz auf weißem Grund, und »Alles träumt». Verkürzt drückt sich hier der Wille zum Neuanfang aus: Wir wollen dieses Haus zu einem Ort des gesellschaftlichen Diskurses, der Fantasien, der Utopien machen – Widerspruch inbegriffen. Damit haben sich Intendant Florian Lutz und...

Anverwandlungen

Seien wir ehrlich. Bei einem Blindtest hätten viele von uns vermutlich falsch gelegen. Kaum jemand kennt das Stück, und auch mit Werden und Wirken seines Schöpfers sind nur Eingeweihte vertraut. Was betrüblich ist, allein wegen dieser einen Szene in Benjamin Godards «Les Guelfes» von 1882, Jeannes Vision. Ein Psychogramm der entflammten Frau, acht Minuten lang,...

Naher Osten

Wenn das Land nach Dauerregen vom Sommer erfasst wird, treiben Englands Gärten aus wie kleine Tropenwälder. Saftig leuchtet Glyndebournes gestreifter Rasen. Jenseits des Ha-Has üben halbwüchsige Lämmer Bocksprünge, während im Kamin des Organ Rooms die Tauben gurren: Der Landsitz der Christies zeigt sich für Cavallis «Hipermestra» von seiner schönsten Seite.

Zwisch...