Dekonstruktion als Konstruktion
Man wüsste es ja wirklich gern, was den Zauber der Musik ausmacht, von dem alle sprechen. Fredrik Zeller auch, sagt er zumindest. Magie und Musik will er kombinieren und hat darum ein «Musiktheater» geschrieben – wie sich in letzter Zeit die neuen Werke für die Opernbühne gern nennen –, das den schönen Titel «Zaubern» trägt. Es wurde als Auftragskomposition der Schwetzinger Festspiele im Rokokotheater uraufgeführt. Eine nacherzählbare Geschichte hat sich der Lachenmann-Schüler als sein eigener Librettist natürlich nicht ausgedacht.
Als roter Faden führt die Figur eines Magiers durch fünf Szenen, die sonst dramaturgisch nicht zusammenhängen. Es beginnt mit dem «Gescheiten Hans», einem Märchen der Brüder Grimm. Hans ist ein tumber Kerl. Er braucht für alles, was er in der Welt Neues entdeckt, von seiner Mutter eine Gebrauchsanweisung. Prompt wendet er diese auf alle anderen Situationen an und scheitert so kläglich: Eine Nadel soll Hans sich an den Ärmel stecken, damit sie nicht verloren geht. Das Nächste, was ihm seine Freundin Gretel jedoch schenkt, ist ein Messer, und er sticht sich damit – folgsam Kind – in den Arm. Was dieser hochkomplizierte Text über Sprache und Verstehen, über ...
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Gut zwanzig Jahre nach seiner Emigration aus Deutschland besuchte Josef Tal mit seiner Frau Pola erstmals wieder seine ehemalige Heimatstadt Berlin: «Wir nahmen ein Taxi. Ich sperrte meine Augen weit auf – es wurde eine Geisterfahrt. Nach kurzer Zeit sagte ich zu Pola auf Hebräisch: ‹Du, der fährt uns spazieren, um eine größere Zeche rauszukriegen. Den Weg kenne...
Zur Lady Macbeth hat ihn Bergs «Wozzeck» gebracht: Ein Satz, der auf den Komponisten Schostakowitsch ebenso zutrifft wie auf den Regie führenden Wiesbadener Intendanten Manfred Beilharz. Kaum zu glauben: Diese Produktion der «Lady» ist die erste eigene im Hessischen Staatstheater, wo das Werk erst einmal in einem Gastspiel zu erleben war. Eine Spiegelung des...
Zwei historische Schwarz-Weiß-Fotografien sind es, die in diesem Bilderbuch der Oper Eindruck machen: Anja Silja in Cherubinis «Médée» (Frankfurt 1971), mit klarer, gebieterischer Gestik und Mimik, ganz die Kraft des Augenblicks in sich bündelnd, und Maria Callas in Donizettis «Poliuto» (Mailänder Scala 1960), mit geschlossenen Augen, leicht geöffnetem singenden...
