Schiller dekonstruiert
«Das Mädchen aus der Fremde» lautet der Titel eines Gedichtes von Friedrich Schiller. In diesem Jahr dreht sich alles um den Geistesheroen, der vor zweihundert Jahren starb. An der Schillerbühne zumal – denn so versteht sich das Mannheimer Nationaltheater. Der Abend, der um zwei Gedichte von Friedrich Schiller kreist, entstand als Auftragswerk der beiden Komponist/inn/en Isabel Mundry und Brice Pauset sowie der Choreografin Reinhild Hoffmann. «Der Tanz», der zweite Text, stand denn auch im Zentrum der Arbeit mit der Gattungsbezeichnung «Musik-Theater».
Eine «Oper» im eigentlichen Sinne ist es nicht: Es gibt keine Solisten, nur Chorensembles, zwei Schauspieler, Orchester und eine Balletttruppe. Eine Geschichte gibt’s nicht. Wie auch: Schillers Poem «Der Tanz» nimmt den Gesellschaftstanz als Modell der Gesellschaft schlechthin und fragt nach dem Zusammenhang von Freiheit und Regel: Die Choreografie ist die Ordnung, die individuelle Tanzvariation des einzelnen Paares die – relative – Freiheit. Dreimal wird auf der Bühne des Mannheimer Nationaltheaters dieselbe Choreografie gezeigt, mit minimalen Abweichungen. Da werden Bewegungen einstudiert, imitiert, paarweise, im Ensemble. Aus dem ...
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Zwei historische Schwarz-Weiß-Fotografien sind es, die in diesem Bilderbuch der Oper Eindruck machen: Anja Silja in Cherubinis «Médée» (Frankfurt 1971), mit klarer, gebieterischer Gestik und Mimik, ganz die Kraft des Augenblicks in sich bündelnd, und Maria Callas in Donizettis «Poliuto» (Mailänder Scala 1960), mit geschlossenen Augen, leicht geöffnetem singenden...
Sitz!», herrscht uns die junge Frau an, und: «Platz!». Beinahe geben wir Pfötchen. Der Imperativ freilich ist lautlos, ein aufgedruckter Slogan auf ihrem T-Shirt als Platzanweiserin bei den diesjährigen Wiener Festwochen. Ein witziger Einfall, scheint’s, wie der auf Plakaten erscheinende Cartoon mit dem scheckigen Hund, dem ein junger Mann mit gelber Krawatte sanft...
Die Situation, mit der uns Alessandro Scarlattis 1718 in Rom uraufgeführtes Melodramma «Telemaco» konfrontiert, ähnelt einer anderen Oper, die auf denselben Stoffquellen – Homers «Odyssee» und Fénelons aufklärerischem Erziehungsroman «Les Aventures de Télémaque» – beruht: Mozarts «Idomeneo». Wie der aus dem trojanischen Krieg heimkehrende Kreterfürst wird auch...
