Flensburg, d'Albert: Tiefland
Noch vor fünfzig Jahren gehörte d’Alberts «Tiefland» – genau wie Flotows «Martha» und Lortzings «Undine» – zum unverzichtbaren Standardrepertoire des deutschen Stadttheaters. Nachdem diese Werke, nicht zuletzt auf Grund einer wohl durch die Achtundsechziger ausgelösten Intellektualisierung des Musiktheaters, fast vollständig von unseren Spielplänen verschwunden waren, hat jetzt die Gegenbewegung eingesetzt: Die Darstellung großer Emotionen ist nicht mehr suspekt, sondern passt – das Kino macht’s vor – in den Trend der Zeit.
Das Weinen ist wieder erlaubt, wenn, wie es in «Martha» so schön heißt, auf der Opernbühne «so ein Volkslied, recht fürs Herz» erklingt.
Und davon hat d’Albert mit dem Raffinement des wissenden Klangmagiers einige in seine «Tiefland»-Partitur hineingezaubert. «Phrasen von wohllautendem Ausdruck, die zu Herzen gehen», «eine populäre Musik», klagend «in rührenden Wendungen», nennt sie Oskar Bie, der universale Opernkenner des vorigen Jahrhunderts. In Flensburg legt die junge Dirigentin Hsiao-Lin Liao mit ihrem Orchester diese Schätze frei, ohne penetrant auf die Tränendrüse zu drücken. Mit durchgehend schlankem Klang, der auch in den Steigerungen nicht schwülstig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ferruccio Busonis «Doktor Faust» ist eines der Hauptwerke des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts. Der deutsch-italienische Komponist konnte die Oper, die er gleichsam wie ein Monument über sein gesamtes Schaffen stülpte, nicht mehr abschließen. In Stuttgart – und zuvor in San Francisco (siehe OW 8/2004) – kam sie erstmals ohne die Ergänzungen Philipp Jarnachs bzw....
Die Zeitungen waren voll davon: «Nahezu offiziersmäßig», so staunte ein Rezensent, ritt im Salzburger «Rosenkavalier» Angelika Kirchschlager als Octavian auf einem «leibhaftigen Schimmel» zum zweiten Akt ein. Nun scheint es freilich nicht gar so überraschend, dass eine sportliche junge Sängerin keine Angst vor einem – vom Reitknecht am Zügel geführten – Pferd hat....
Zwei historische Schwarz-Weiß-Fotografien sind es, die in diesem Bilderbuch der Oper Eindruck machen: Anja Silja in Cherubinis «Médée» (Frankfurt 1971), mit klarer, gebieterischer Gestik und Mimik, ganz die Kraft des Augenblicks in sich bündelnd, und Maria Callas in Donizettis «Poliuto» (Mailänder Scala 1960), mit geschlossenen Augen, leicht geöffnetem singenden...
