Das sagt sich nicht
Derart irisierend ereignen sich Richard Wagners utopische Augenblicke womöglich nur in Frankreich. Der Solo-Oboist des Orchestre National du Capitole beglaubigt das Bekenntnis zur Empathie so einfühlsam, er umspielt die Parsifal-Stimme des Nikolai Schukoff derart liebevoll («sehr zart» schreibt die Partitur für diese Pianissimo-Phrase vor), dass der durch Mitleid wissend gewordene reine Tor erst in diesem Vorgang der Verschmelzung mit dem seinerseits wissenden Orchesterkommentar seine heilende Wirksamkeit entfalten kann.
«Du weinest», singt Parsifal der Kundry mit hingebungsvoller halber Stimme zu und setzt dialektisch vielsagend die erlöste Natur preisend hinzu: «... sieh, es lacht die Aue!» Der Karfreitagszauber als musikalisches Mysterium. Die Wagner durch Schopenhauer vermittelte Lesart einer Ethik der «Compassione» schwingt vernehmlich mit. Und diese Weitung weg vom kirchlich Konfessionellen ins Allgemeingültige setzt Aurélien Bory fort, der in Toulouse die Funktionen des Bühnenbildners und Regisseurs verbindet.
Um seine «Parsifal»-Visionen in die Tat umzusetzen, blendet der für seine Installationen bekannte Bory bereits zum Vorspiel des Ersten Aufzugs munter umherhüpfende ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Peter Krause
Fangen wir mit der Musik an. Ein Wunder an rhythmischer Energie ist Verdis letzte Oper, ein Drehkreisel, der ohne Unterlass durch die Welt hüpft, von einer Ecke zur nächsten, wie ein Perpetuum mobile, das zuweilen über die eigenen Beine zu stolpern droht. Für den Dirigenten und sein Orchester eine überaus heikle Angelegenheit. Wie heikel, war bei der...
Man mag es kaum glauben, dass hinter der trostlosen Fassade mit dem bröckligen Mauerwerk und den verwitterten Fensterrahmen einmal Musikgeschichte geschrieben wurde. Immerhin verkündet eine Gedenktafel, dass ein gewisser Rihards Vāgners zwischen 1837 und 1839 in dem Haus als Dirigent und Komponist tätig war und dass außerdem 1842 Ferenzs Lists, 1844 Klāra...
Die Sache wird wohl nie zu klären sein: Hatte Beethoven eine Tochter mit seiner «unsterblichen Geliebten», der Gräfin Josephine Brunsvik? Das vermutet zum Beispiel der Musikhistoriker Harry Goldschmidt. Auf dessen Indizien und eigene Recherchen in estnischen Archiven stützt sich Jüri Reinvere, wenn er in seiner dritten Oper eben jene Minona ins Rampenlicht rückt,...
