Lauter Gelangweilte
Fangen wir mit der Musik an. Ein Wunder an rhythmischer Energie ist Verdis letzte Oper, ein Drehkreisel, der ohne Unterlass durch die Welt hüpft, von einer Ecke zur nächsten, wie ein Perpetuum mobile, das zuweilen über die eigenen Beine zu stolpern droht. Für den Dirigenten und sein Orchester eine überaus heikle Angelegenheit. Wie heikel, war bei der «Falstaff»-Premiere an der Hamburgischen Staatsoper leidvoll zu erleben.
Axel Kober konnte noch so sehr mit den Armen rudern, das E-Dur-Quartett der Verschwörerinnen geriet schwer ins Straucheln, und es wurde auch keinen Deut besser, als sich dieses Stück zu einem Nonett mit männlicher Beteiligung auswuchs. Man möchte es nicht so nennen. Aber es war ein Debakel.
Zwar hatte der GMD der Deutschen Oper am Rhein das Philharmonische Staatsorchester Hamburg – vermutlich nach einer geharnischten Gardinenpredigt in der Halbzeitpause – späterhin besser im Griff; erhellende Momente blieben im Graben aber eher selten, sieht man von den lyrischen Duett-Passagen ab, in denen das junge, vom auch vokal robusten Vater Ford (Markus Brück) torpedierte und wunderschön dagegen ansingende Paar Nannetta (Elbenita Kajtazi) und Fenton (Oleksiy Palchykov) ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Jürgen Otten
Der König und seine Entourage waren not amused. Hatte Philippe Quinault im Textbuch für «Isis», die sechste tragédie en musique des Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully, nicht – kaum verhüllt – das Liebesleben des «Roi Soleil» porträtiert? Wer mit den Usancen des französischen Regenten halbwegs vertraut war, erkannte sofort frappierende Parallelen zwischen Juno, der...
Frau d’Oustrac, lieben Sie Wagner?
Natürlich liebe ich ihn, so wie ich auch Brahms, Schumann und Liszt liebe. Vollends habe ich diese faszinierende Welt während meines Gesangsstudiums entdeckt, aber bereits zuvor, an der Musikschule, hatte ich mich theoretisch eingehend mit den Frauenrollen in Wagners Werken auseinandergesetzt.
Eine interessante Beschäftigung für...
Peter Eötvös greift für seine Opernstoffe gern ins oberste Regal. Unter einem «Welttheater» tut der ungarische Komponist es kaum. Und wenn er dieses – wie in seinem Stück «Der Goldene Drache» – in einen heutigen Asia-Imbiss verlegt und das Geschehen mit kammermusikalischer Delikatesse unterlegt, geht der Plan, das große Ganze im Kleinen abzubilden, auch wunderbar...
