Hommage an eine sterblich Getriebene
Die Sache wird wohl nie zu klären sein: Hatte Beethoven eine Tochter mit seiner «unsterblichen Geliebten», der Gräfin Josephine Brunsvik? Das vermutet zum Beispiel der Musikhistoriker Harry Goldschmidt. Auf dessen Indizien und eigene Recherchen in estnischen Archiven stützt sich Jüri Reinvere, wenn er in seiner dritten Oper eben jene Minona ins Rampenlicht rückt, die Frucht einer heimlichen Liebesnacht von Ludwig van und Josephine gewesen sein soll.
Anfang Juli 1812, so die These, müssen sich der Komponist und seine ehemalige Klavierschülerin, die damals unglücklich mit dem aus Livland stammenden Baron Christoph von Stackelberg verheiratet war, in Prag begegnet sein, wofür nicht zuletzt der rege, teilweise überlieferte Briefwechsel der beiden spreche. Allein, belegen lässt sich nur Beethovens Besuch in der Stadt, alles andere bleibt Spekulation.
Die Frage, ob sie’s getan haben oder nicht, spielt in dem zum Auftakt des BTHVN-Jubiläumsjahres am Theater Regensburg uraufgeführten Zweiakter denn auch nur am Rande eine Rolle. Der in Tallinn (dem ehemaligen Reval, Sitz des Stackelberg-Clans) geborene und aufgewachsene Reinvere interessiert sich im selbstverfassten Libretto eher für die ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Albrecht Thiemann
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