Richards Traum
Man mag es kaum glauben, dass hinter der trostlosen Fassade mit dem bröckligen Mauerwerk und den verwitterten Fensterrahmen einmal Musikgeschichte geschrieben wurde. Immerhin verkündet eine Gedenktafel, dass ein gewisser Rihards Vāgners zwischen 1837 und 1839 in dem Haus als Dirigent und Komponist tätig war und dass außerdem 1842 Ferenzs Lists, 1844 Klāra Vīka-Šumane und Antons Rubinsteins, außerdem 1847 Hektors Berliozs in dem Gebäude zu Gast waren.
Das ehemalige Deutsche Theater in der lettischen Hauptstadt Riga heißt heute «Wagnersaal» und bewahrt die Erinnerung daran, dass der Komponist an dieser Stätte zwei entscheidende Jahre seines frühen Künstlerlebens verbrachte. Die lettische Schreibweise verfremdet die Namen von Wagner, Franz Liszt, Clara Wieck-Schumann, Anton Rubinstein und Hector Berlioz gerade so weit, dass man noch zu erkennen vermag, welche Koryphäen der Frühromantik in diesem Haus aufgetreten sind.
Wagner dirigierte in Riga vor allem Konzerte, widmete sich intensiv seiner ersten wirklich großen Oper («Rienzi, der letzte der Tribunen») und machte im Deutschen Theater Entdeckungen, die für sein noch embryonales Projekt eines alle Künste umfassenden Musiktheaters ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2020
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Josef Oehrlein
Kaum zu glauben, dass diese Oper so spannend, so berührend wirken würde. Mit seiner Opernreform hat Christoph Willibald Gluck Geschichte geschrieben, von seinen 50 Opern werden aber nur noch wenige gespielt – jene «edle Einfachheit», die Gluck propagiert hatte, wurde rasch zum Ausgangspunkt neuer Entwicklungen und trägt heute Züge des Verstaubten. Allein, das muss...
Insel der Glückseligen? Das Bild, das wir zu Beginn des dritten Aufzugs sehen, verheißt diesbezüglich wenig Gutes. Johannes Leiackers karge, von Olaf Winter raffiniert ausgeleuchtete Schwarzweiß-Bühne definiert Kareols Küste vielmehr als Ort einsamen Sterbens, als Gegenentwurf zu einer irgendwie gearteten positiven Utopie. Zerborstene Bruchstücke jener riesigen...
Was, wenn die Pariser Nationaloper zahlungsunfähig wird? Seit Ende letzten Jahres steuert der Riesentanker geradlinig auf diese Klippe zu. Zwischen dem Beginn des landesweiten Streiks gegen Frankreichs Rentenreform am 5. Dezember 2019 und Ende Januar wurden 76 Vorstellungen abgesagt. Allein im Dezember bezifferten sich die Verluste auf 14 Millionen Euro. Ob – und...
