Das Neue im Anderen

Salzburger Finale: Mirga Gražinytė-Tyla zelebriert in der Kollegienkirche und im Park von Hellbrunn Werke ihres Landsmannes Bronius Kutavičius

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«Die Stadt hat eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren und zwölf Engeln darauf», verheißt es Johannes in seiner Offenbarung. Je drei in jede Himmelsrichtung. Bei Bronius Kutavičius öffnet sich Jerusalem allerdings nicht zu den Stämmen Israels, sondern in weite, weite Ferne: im Osten zur japanischen Gagaku-Musik, im Norden zu den Klängen der Karelier, im Süden zu denen Afrikas und im Westen zur christlichen Tradition, die sich hier in einem Stabat Mater verdichtet.

Das Neue im Alten, vor allem im Anderen finden, in der Übersetzung, Überschreibung, Transformation, das trifft nicht nur auf das Opus «Die Tore von Jerusalem zu», so ließe sich ganz allgemein das kompositorische Credo des Litauers Kutavičius, Jahrgang 1932, zusammenfassen.

Bei uns wird er kaum gespielt. Der estnische Kollege Arvo Pärt und der Deutschrusse Alfred Schnittke, deren Vokalmusik ebenfalls nach Ausdruck im Spirituellen, zuweilen Esoterischen fahndet, haben Kutavičius den Rang abgelaufen. In einer jungen Landsmännin hat er nun eine großartige Streiterin gefunden. Zum Finale ihrer Ära am Salzburger Landestheater hat Chefdirigentin Mirga Gražinytė-Tyla gleich eine Doppelproduktion angesetzt. Beides ...

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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Markus Thiel

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