Erlösung von Erlösern, bitte!
Jonathan Meese beim Schlussvorhang im Theater an der Wien: an Don Quichote und Räuber Hotzenplotz erinnernd, dem Publikum die Zunge herausstreckend und Löcher in die Luft boxend. Aber Achtung, fake news: Der da oben sein vermeintliches Unmeesen treibt, ist nicht der eigentliche JM (der soll einer der nettesten Menschen überhaupt sein), sondern die Kunstfigur, der «Meesias», der provocateur à la mode. Der mit dem Hitlergruß. Pardon: dem gerichtlich beglaubigten Meesegruß (der diesmal unterbleibt).
Da fällt einem unwillkürlich der lokale Berufsprovokateur Helmut Qualtinger ein, der vor Jahren im grantigsten Heurigen-Ton grölte: Bei mir seid’s alle im Oasch daham (jenseits der Schnitzelgrenze verkürzt zu übersetzen mit «Ihr könnt mich mal»). Das hätte an diesem Abend als ERZparole gut zu Meeses auf der Bühne zelebrierter Rache der Kunst an jeder «Pupsideologie» gepasst – aber durchaus auch als Losung für jene Zuschauer, die dem visuellen Konzept intellektuelle Flatulenz attestierten.
Der erprobte Kunstlautsprecher Meese ist ja auch im Fäkalidiom firm. Malen sei «wie Scheißen, natürlich und notwendig», behauptete er einmal in Berlin auf einer «Pressekonferenz zur Diktatur der Kunst». ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard Persché
Der Tenor ist nicht zu beneiden. Gleich nach dem kompakten Preludio, einer kurzen Scena und ein paar fanfarengestärkten Rezitativtakten muss er mit seiner berühmten Romanze für die nahe, ferne Geliebte ran: «Celeste Aida». Bis zum hohen B führt sie hinauf, von Flöte und Fagott gelockt, über Herzstich-Pizzicati der Streicher. Alles ist hier verzweifeltes Hoffen,...
Als die Bayerische Staatsoper in München vor wenigen Monaten Gioachino Rossinis «Semiramide» herausbrachte, suchten die Beteiligten diese als inhaltlich und psychologisch schlüssiges Werk zu behaupten – mit eher begrenztem Erfolg. Die Regisseurin Nicola Raab dagegen denkt in ihrer Regiearbeit in Nancy gar nicht daran, sondern zeigt die Oper als das, was sie ist:...
Was hier wohl passiert ist? Man will es gar nicht genau wissen. Die Betondecke geborsten, die Kapelle auf der Bühne staubig, zerrupft und (leere Stühle signalisieren es) dezimiert. Ab und zu flackert das Licht, man hört ferne Detonationen und ein vorbeiziehendes Flugzeug. Es herrscht Krieg, ja gut. Aber wo? Offenbar nicht mehr draußen, auf dem Schlachtfeld, sondern...
