Erlösung von Erlösern, bitte!

Musiktheater bei den Wiener Festwochen: Bernhard Langs musikalische «Parsifal»-Überschreibung mit Jonathan Meeses bildnerischem Spielzeugladen, gerahmt von zwei Flops

Opernwelt - Logo

Jonathan Meese beim Schlussvorhang im Theater an der Wien: an Don Quichote und Räuber Hotzenplotz erinnernd, dem Publikum die Zunge herausstreckend und Löcher in die Luft boxend. Aber Achtung, fake news: Der da oben sein vermeintliches Unmeesen treibt, ist nicht der eigentliche JM (der soll einer der nettesten Menschen überhaupt sein), sondern die Kunstfigur, der «Meesias», der provocateur à la mode. Der mit dem Hitlergruß. Pardon: dem gerichtlich beglaubigten Meesegruß (der diesmal unterbleibt).

Da fällt einem unwillkürlich der lokale Berufsprovokateur Helmut Qualtinger ein, der vor Jahren im grantigsten Heurigen-Ton grölte: Bei mir seid’s alle im Oasch daham (jenseits der Schnitzelgrenze verkürzt zu übersetzen mit «Ihr könnt mich mal»). Das hätte an diesem Abend als ERZparole gut zu Meeses auf der Bühne zelebrierter Rache der Kunst an jeder «Pupsideologie» gepasst – aber durchaus auch als Losung für jene Zuschauer, die dem visuellen Konzept intellektuelle Flatulenz attestierten.

Der erprobte Kunstlautsprecher Meese ist ja auch im Fäkalidiom firm. Malen sei «wie Scheißen, natürlich und notwendig», behauptete er einmal in Berlin auf einer «Pressekonferenz zur Diktatur der Kunst». ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Geliehene Archaik

Der Tenor ist nicht zu beneiden. Gleich nach dem kompakten Preludio, einer kurzen Scena und ein paar fanfarengestärkten Rezitativtakten muss er mit seiner berühmten Romanze für die nahe, ferne Geliebte ran: «Celeste Aida». Bis zum hohen B führt sie hinauf, von Flöte und Fagott gelockt, über Herzstich-Pizzicati der Streicher. Alles ist hier verzweifeltes Hoffen,...

Spielpläne Ausland Juli 2017

Argentinien

Buenos Aires
Teatro Colón

Tel. +54-1-382 23 89
www.teatrocolon.org.ar
– Strauss, Der Rosenkavalier: 18. (P), 21., 22., 23., 25.
ML: Pérez, I: Carsen, B: Steinberg, K: Reiffenstuel, S: Uhl/Holm, Rydl/Devebec, Holloway/Barrientos, Favaro/Silva

La Plata
Teatro Argentino

Tel. +54-221-429 17 32
www.teatroargentino.gba.gov.ar
– Le Grand Macabre: 14., 16., 21., 23.

...

Klassischen Sinns

Wie man heute noch Opern schreibt – darauf gibt Aribert Reimann seit 50 Jahren seine eigene Antwort. Zum postmodernen Musiktheater Hans Werner Henzes hält er die gleiche Distanz wie zu den Konzepten der Avantgarde. Reimann verteidigt eine Position des Personalstils, wie sie im Musiktheater um 1900, bei Debussy, Janáček oder Schönberg, eine kurze Blüte erlebte.

Was...