Paradieshölle
Die Auguren sind sich einig: Das Diaghilev-Festival in Perm ist derzeit das facettenreichste, provokanteste Forum für Kultur in Russland, weil es – vor dem Hintergrund der allgemeinen Sowjetisierung – eine besondere Atmosphäre in der Stadt schafft, Künstler und Publikum zu einem organischen Ganzen verbindet.
Das zeigte sich bereits zum Auftakt beim 2016 uraufgeführten, nun eigens für das Festival programmierten Musiktheater «Cantos» des russischen Avantgardekomponisten Alexey Syumak.
Dessen (Anti-)Held ist der amerikanische Schriftsteller Ezra Pound – der Titel rekurriert auf sein gleichnamiges, riesenhaftes Versepos. Einer der Begründer der englischsprachigen Moderne, schlug sich Pound nach Mussolinis «Marsch auf Rom» auf Seiten des Duce und moderierte antisemitische Sendungen im italienischen Radio – was ihm erst den Verlust der amerikanischen Staatsbürgerschaft und dann die Inhaftierung einbrachte. Seine letzten Lebensjahre verdämmerte Pound in Italien. Er distanzierte sich von seinem Werk, legte sich ein Schweigegelübde auf.
Die Figur des stummen Dichters wird in «Cantos» von einer Geigerin dargestellt: Ihre mal vereinzelt getupften, mal gebündelt herausgeschleuderten Töne ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Alexej Parin
Theater abseits der Zentren haben nicht gerade leichtes Spiel im Wettbewerb um überregionale Aufmerksamkeit. Nicht nur das schmale Budget erlaubt keine großen Sprünge. Ein oft ländlich geprägter Einzugsbereich fordert eher Grundversorgerqualitäten als konzeptionellen Wagemut.
In einem solchen Winkel – zwischen Wiesbaden, Mainz und Bonn – liegt auch das Koblenzer...
Am Anfang die Gewissheit. Es wird kein gutes Ende geben. Schon während der Ouvertüre, noch bevor der erste Ton gesungen ist, steht Marie vor dem abgetrennten Kopf ihres Geliebten Cinq-Mars. Doch das ist die Zukunft im Jahre 1642. Das unausweichliche Ende des Stücks. Die Liebe wird zum Opfer der Macht.
Charles Gounods «Der Rebell des Königs», uraufgeführt 1877 in...
«Ariadne auf Naxos», jene «kleine Zwischenarbeit» des Erfolgsduos Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal nach dem «Rosenkavalier» und vor der «Frau ohne Schatten», hat es in sich. Denn im Grunde handelt sie in der Theater-auf-dem-Theater-Situation von genau jenem Problem, mit dem jeder Regisseur des Werks ganz real zu ringen hat: der Gleichzeitigkeit von ernster...
