Das ist ein Glück

Im Juli hat er seinen 80. Geburtstag gefeiert, abseits der großen Bühnen, die er jahrzehntelang als seine eigentliche Heimat ansah. Mit der Milde des Alters, aber immer noch hellwach und humorvoll blickt der Regisseur und Intendant Jürgen Flimm auf eine erfüllte Zeit zurück, vor allem auf jene Künstler-Menschen, die ihn inspirierten

Opernwelt - Logo

Die Bühne war ihm schon als Kind Sehnsuchtsort. Dort wollte er hin und den lieben langen Tag im Grunde nur eines tun: spielen, spielen, spielen. So war es fast zwangsläufig, dass Jürgen Flimm, geboren in Gießen, aufgewachsen in Köln, früh begabt auch als Autor, zum Theater kam, wo er sich als Regisseur, zunächst im Schauspiel, einen großen Namen machte, vor allem mit seinen Tschechow-, Büchner- und Shakespeare-Inszenierungen.

Bereits 1978 inszenierte der Menschendurchschauer und Atmosphärenzauberer mit Luigi Nonos «Al gran sole carico d’amore» auch erstmals ein Werk des Musiktheaters. Und fuhr fortan mit Erfolg zweigleisig. Was seine Regiearbeiten, von denen er selbst lediglich gut zehn Prozent als wirklich gelungen bezeichnet, stets prägte, war ein gleichsam humanistisch getünchter Esprit, eine Tiefgründigkeit, die das Heitere indes nie ausschloss. Das Gespräch mit ihm, geführt auf seinem Landsitz in Schleswig-Holstein, ist der beste Beweis

Herr Flimm, was ist der Unterschied zwischen Kunst und einer Laune?
Kunst ist ewig, eine Laune hingegen nur ein kurzfristiges Gefühl. Kunst gibt es immer, sie ist  immer wiedererkennbar, eine Laune ist nicht wiedererkennbar, die vergeht ganz ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Jürgen Flimm, Seite 138
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
«Zur Not auch als Kasperl-Komödie»

«Ihre Art entspricht so sehr der meinen, wir sind füreinander geboren und werden sicher Schönes zusammen leisten, wenn Sie mir treu bleiben …» Dieses schrieb nicht etwa, errötend, ein Jüngling seiner Angebeteten ins Stammbuch. Sondern ein pragmatischer, als hemdsärmelig geltender Komponist, von Thomas Manns Adrian Leverkühn als «begabter Kegelbruder» bezeichnet, im...

Macht der Farbe

Im Jahrbuch 2020 wurde eine von Mezzo J’Nai Bridges moderierte Diskussion zum Thema Rassismus in der Oper abgedruckt. Über dieses wichtige Thema ist viel gesprochen worden seither – wer trotzdem noch Belege braucht, kann sich auf einer der vielen neuen Plattformen umschauen, etwa dem Instagram-Account @operaisracist. Vieles klingt bekannt in den anonymisierten...

Barock in Bayreuth

«Damit ein Ereignis Größe habe», schrieb Friedrich Nietzsche über Richard Wagner in Bayreuth, «muss zweierlei zusammenkommen: der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben.» Das Verblüffende an diesem Satz ist, dass er sich nicht nur auf die ersten Festspiele 1876 beziehen lässt. Sondern auch – und zwar ausgerechnet im...