Das ist ein Glück
Die Bühne war ihm schon als Kind Sehnsuchtsort. Dort wollte er hin und den lieben langen Tag im Grunde nur eines tun: spielen, spielen, spielen. So war es fast zwangsläufig, dass Jürgen Flimm, geboren in Gießen, aufgewachsen in Köln, früh begabt auch als Autor, zum Theater kam, wo er sich als Regisseur, zunächst im Schauspiel, einen großen Namen machte, vor allem mit seinen Tschechow-, Büchner- und Shakespeare-Inszenierungen.
Bereits 1978 inszenierte der Menschendurchschauer und Atmosphärenzauberer mit Luigi Nonos «Al gran sole carico d’amore» auch erstmals ein Werk des Musiktheaters. Und fuhr fortan mit Erfolg zweigleisig. Was seine Regiearbeiten, von denen er selbst lediglich gut zehn Prozent als wirklich gelungen bezeichnet, stets prägte, war ein gleichsam humanistisch getünchter Esprit, eine Tiefgründigkeit, die das Heitere indes nie ausschloss. Das Gespräch mit ihm, geführt auf seinem Landsitz in Schleswig-Holstein, ist der beste Beweis
Herr Flimm, was ist der Unterschied zwischen Kunst und einer Laune?
Kunst ist ewig, eine Laune hingegen nur ein kurzfristiges Gefühl. Kunst gibt es immer, sie ist immer wiedererkennbar, eine Laune ist nicht wiedererkennbar, die vergeht ganz ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Jürgen Flimm, Seite 138
von Jürgen Otten
Wie es war, ist es nicht mehr. Die Corona-Pandemie, der größte gesellschaftliche Einbruch seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, hat naturgemäß auch die Theater- und Musikszene radikal verändert. Die Frage nach der Kunst wird zur Frage nach dem Leben. Seit dem März 2020 schlagen sich die Institutionen, aber auch jeder Einzelne mit den Antworten herum. Ob digitale...
Schon lange vor Corona habe ich im Internet regelmäßig die aufgezeichneten Opernpremieren von Palermo bis Buenos Aires verfolgt und die Livestreams der deutschsprachigen Opernhäuser und Festspiele wahrgenommen. Auch in der zurückliegenden Spielzeit habe ich kaum ein Angebot von «ARTE Concert» und «Opera Vision» ausgelassen und mich vor allem in Berlin und München...
Die Gesten der Musikerinnen und Musiker des Balthasar-Neumann-Ensembles stehen für mich symbolhaft für diese – unglaublichen – zurückliegenden zwölf Monate. Wie sie sich am 1. November, nach einer Matinee im Festspielhaus Baden-Baden, unter Tränen voneinander verabschiedeten, sich in den Armen lagen. Im Wissen, dass tags darauf eine neuer Lockdown kommen würde, de...
