Politikfreie Zone
Schon lange vor Corona habe ich im Internet regelmäßig die aufgezeichneten Opernpremieren von Palermo bis Buenos Aires verfolgt und die Livestreams der deutschsprachigen Opernhäuser und Festspiele wahrgenommen. Auch in der zurückliegenden Spielzeit habe ich kaum ein Angebot von «ARTE Concert» und «Opera Vision» ausgelassen und mich vor allem in Berlin und München gern zugeschaltet.
Aber das war dann doch nicht dasselbe wie vorher.
So sehr mir die Haltung dieser Theater imponiert hat, sich nicht kleinkriegen zu lassen, mit einer Geste des Dennoch-Schaffen-Wollens gegen Maßnahmen aufzubegehren, deren Sinn und Zweck nicht für alle einsichtig war, mich beschlich doch jedes Mal das Gefühl, durch eine Geisterstadt zu gehen. Und manchmal wurde ich den Eindruck nicht los, dass die Macher es auch genossen, so ein Riesenhaus einmal für sich allein zu haben, ohne die lästigen, oft quengeligen Zuschauerinnen und Zuschauer.
In der Bemühung, sich den Hygienebedingungen anzupassen (z. B. Kammermusik-Formationen statt großem Symphonieorchester einzusetzen wie beim Münchner «Rosenkavalier»), aber auch in der Entwicklung neuer Raumkonzepte waren diese Theater erfindungsreich. In dramaturgischer ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 124
von Ekkehard Pluta («klassik-heute», «operalounge», Berlin/Ulm)
Die Bühne war ihm schon als Kind Sehnsuchtsort. Dort wollte er hin und den lieben langen Tag im Grunde nur eines tun: spielen, spielen, spielen. So war es fast zwangsläufig, dass Jürgen Flimm, geboren in Gießen, aufgewachsen in Köln, früh begabt auch als Autor, zum Theater kam, wo er sich als Regisseur, zunächst im Schauspiel, einen großen Namen machte, vor allem...
«Damit ein Ereignis Größe habe», schrieb Friedrich Nietzsche über Richard Wagner in Bayreuth, «muss zweierlei zusammenkommen: der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben.» Das Verblüffende an diesem Satz ist, dass er sich nicht nur auf die ersten Festspiele 1876 beziehen lässt. Sondern auch – und zwar ausgerechnet im...
Die Schweiz sieht sich gern als eine Insel der Glückseligen. In vielerlei Hinsicht mag dies selbst in unseren krisenhaften Zeiten berechtigt sein; freilich ist auch das überreiche Kulturleben der Eidgenossenschaft seit anderthalb Jahren bloß noch ein Schatten seiner selbst. Seit die Schweizer Regierung, der Bundesrat, Mitte März 2020 im Zuge einer Notstandsregelung...
