Unter Tränen

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Die Gesten der Musikerinnen und Musiker des Balthasar-Neumann-Ensembles stehen für mich symbolhaft für diese – unglaublichen – zurückliegenden zwölf Monate. Wie sie sich am 1. November, nach einer Matinee im Festspielhaus Baden-Baden, unter Tränen voneinander verabschiedeten, sich in den Armen lagen. Im Wissen, dass tags darauf eine neuer Lockdown kommen würde, de facto: erneut Arbeitsverbot. Dabei hatte die Saison so hoffnungsvoll begonnen.

«Così fan tutte» und «Elektra» in Salzburg waren so etwas wie Hoffnungsboten eines Miteinanders trotz Corona, unter Einhaltung strenger Regeln.

Ich habe im Nachhinein nie verstanden, dass das Salzburger Festspiel- und Hygienekonzept, hinter dem so viel Verantwortungsbewusstsein und der unbedingte Wille, im Jubiläumsjahr weiterzumachen, steckten, von der Politik nie als Beweis für ein «Kultur ist möglich – auch in Coronazeiten» herangezogen wurde. Immer hieß es, es seien nur keine Fälle von Ansteckungen bekannt, aber man wisse nichts über die Dunkelziffer, über die Ansteckungsrisiken auf den Wegen zu und von den Veranstaltungen. Damit wurde gewissermaßen die Beweislast umgekehrt – der Angeklagte namens Kultur muss seine Unschuld beweisen. Eines ...

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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 97
von Alexander Dick («Badische Zeitung», Freiburg)

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