Es bleibt alles anders
Wie es war, ist es nicht mehr. Die Corona-Pandemie, der größte gesellschaftliche Einbruch seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, hat naturgemäß auch die Theater- und Musikszene radikal verändert. Die Frage nach der Kunst wird zur Frage nach dem Leben. Seit dem März 2020 schlagen sich die Institutionen, aber auch jeder Einzelne mit den Antworten herum. Ob digitale Formate oder Liveacts unter Einhaltung der Abstands- und Schutzregeln, sie waren und sind so vielfältig und fantasievoll, wie keiner zuvor es sich hätte träumen lassen.
Es ist, als wollten alle beweisen, dass es auch anders ginge – mit geringerem Aufwand, weniger Mitwirkenden, weniger Publikum oder auch gar keinem.
Theater aber lebt vom Raum und von der Gegenwart, die Ausführende wie Zuschauerinnen und Zuschauer unter einem Dach vereint. «Wahrheit», schrieb Hannah Arendt, «gibt es nur zu zweien». Livestreams und On-Demand-Videos können die Präsenz nicht ersetzen. Sie dokumentieren eher gnadenlos die Isolation, in die die Pandemie uns alle zwingt, können sie aber nicht aufbrechen (und bevorzugen dazu einmal mehr die Großen, die mehr Technik und mehr Geld in sie investieren können als die Kleinen). Ich jedenfalls habe die ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 132
von Uwe Schweikert («Opernwelt», Stuttgart)
Das öffentliche Interesse war enorm, als Markus Gabriel, damals der neue Star am deutschen Philosophenhimmel, 2013 ein Buch mit dem Titel «Warum es die Welt nicht gibt» schrieb. Allein die Vorstellung, diese Welt, wie wir sie kennen, existiere nicht, sorgte für erheblichen Diskussionsstoff. Dass Gabriels Theorem, das natürlich ein trickreiches war, weil es nur...
Abgesehen von der merkwürdigen Art und Weise, wie sich die Saison 2020/2021 entfaltet hat, ist zunächst zu bemerken, dass im Gegensatz zur vorherigen Saison praktisch alle Institutionen, große wie kleine, vorbereitet waren, um auf die Unwägbarkeiten von Covid zu reagieren, indem sie Alternativen anboten: in Streaming oder in Theatern; mit sehr reduzierter Kapazität...
Im Jahrbuch 2020 wurde eine von Mezzo J’Nai Bridges moderierte Diskussion zum Thema Rassismus in der Oper abgedruckt. Über dieses wichtige Thema ist viel gesprochen worden seither – wer trotzdem noch Belege braucht, kann sich auf einer der vielen neuen Plattformen umschauen, etwa dem Instagram-Account @operaisracist. Vieles klingt bekannt in den anonymisierten...
