Es bleibt alles anders

Opernwelt - Logo

Wie es war, ist es nicht mehr. Die Corona-Pandemie, der größte gesellschaftliche Einbruch seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, hat naturgemäß auch die Theater- und Musikszene radikal verändert. Die Frage nach der Kunst wird zur Frage nach dem Leben. Seit dem März 2020 schlagen sich die Institutionen, aber auch jeder Einzelne mit den Antworten herum. Ob digitale Formate oder Liveacts unter Einhaltung der Abstands- und Schutzregeln, sie waren und sind so vielfältig und fantasievoll, wie keiner zuvor es sich hätte träumen lassen.

Es ist, als wollten alle beweisen, dass es auch anders ginge – mit geringerem Aufwand, weniger Mitwirkenden, weniger Publikum oder auch gar keinem.

Theater aber lebt vom Raum und von der Gegenwart, die Ausführende wie Zuschauerinnen und Zuschauer unter einem Dach vereint. «Wahrheit», schrieb Hannah Arendt, «gibt es nur zu zweien». Livestreams und On-Demand-Videos können die Präsenz nicht ersetzen. Sie dokumentieren eher gnadenlos die Isolation, in die die Pandemie uns alle zwingt, können sie aber nicht aufbrechen (und bevorzugen dazu einmal mehr die Großen, die mehr Technik und mehr Geld in sie investieren können als die Kleinen). Ich jedenfalls habe die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 132
von Uwe Schweikert («Opernwelt», Stuttgart)

Weitere Beiträge
Danaergeschenk

Ich saß freudig nervös im Großen Festspielhaus, im Kopf tanzten die Erinnerungen an 40 Salzburger Festspieljahre Walzer, die Ouvertüre zu Mozarts Oper «Così fan tutte» stieg fauchend aus dem erhöhten Orchestergraben, die Paare sangen ihre falschen Liebesschwüre himmlisch schön, und dann passierte es: Tränen kullerten über die Maske. Verfluchte Musik, unergründbar...

Obdachlos

Zunächst ist da die Trauer über die beträchtliche Anzahl an aktiven oder in den Ruhestand getretenen Künstlerinnen und Künstlern und Bühnenmitarbeiterinnen und Bühnenmitarbeitern der amerikanischen Opernhäuser, die wir in diesem bizarren, tragischen Jahr durch Covid verloren haben – darunter Kammersängerin Arlene Saunders und Dirigent Joel Revzen. Dann die traurige...

Triumph des Mäusekinos

Lange noch dürfte sie in Erinnerung bleiben, diese überlange Spielzeit der Einschränkungen und Absagen, des Ausweichens, Umplanens und der Entschleunigung. Hinter uns liegt eine Phase oft ungewohnter Seh- und Hörerfahrungen, der Entzugserscheinungen und Ersatzhandlungen, der immer wieder neuen Hoffnungen oder Vertröstungen. Und ein Ende ist nicht wirklich in Sicht.

...