Danse macabre
Verdis Musik leuchtet in die Raumfinsternis hinein, in ein Menschendrama in nachtschwarzem Bühnenkasten. Und Carl St. Clair unterstreicht gleich im Vorspiel zu «La traviata», seiner ersten Berliner Premiere, fast feierlich das lyrische Gebet der hohen Streicher, den Ausdruck trauernder Inständigkeit, der unmittelbar auf die verletzte Seele und am Ende auf den Tod der Violetta Valery verweist. Der neue Generalmusikdirektor der Komischen Oper treibt Verdis Partitur scharf, präzise, hart federnd in die Atemlosigkeit des Dramas dieser Frau.
Tatsächlich zielt die Regie von Hans Neuenfels radikal auf das verzweifelte Drei-Personen-Kammerspiel um Violetta Valery, den Vater und den Sohn Germont, zielt in aller Härte auf das Unglück dieser Kurtisane, ihr unverhofft großes und wahres Gefühl, das sie beiden Männern opfern muss. Neuenfels will die «Traviata» nur in dieser verengten, doch existenziell zugespitzten Dimension verstehen, alles andere, das konventionell Gesellschaftliche aus dem alten Paris, lässt er beiseite. Dass es sich laut Verdi um eine «wirkliche Prostituierte» handelt, macht die Aufführung zunächst eher dezent deutlich. Doch am Ende steht Violetta Valery gnadenlos auf einem ...
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Frau Piau, ein Satz von Ihnen steht unverrückbar im Raum: Sänger sind verrückte Menschen. Ist es tatsächlich notwendig, verrückt zu sein, um eine gute Sängerin oder ein guter Sänger zu sein?
Sagen wir es so: Nicht alle Sänger sind verrückt. Aber jeder Künstler muss ein bisschen egozentrisch sein, wenn er auf die Bühne geht. Sonst klappt es nicht. Und was wir nicht...
Herr Jacobs, Sie haben sich vom Frühbarock in die Wiener Klassik vorgetastet. Bei den Mozart-Dirigenten alten Schlages, wie etwa Karl Böhm, war es eher umgekehrt, die kamen von Romantik und Spätromantik. Ist der Zugang zu Mozart also heute ein ganz anderer?
Bei mir hat es an erster Stelle damit zu tun, dass ich meine Karriere als Countertenor begonnen habe und schon...
Cecilia Bartolis «Maria»-Album war, neben vielem anderen, ein Versprechen – ein Ausblick auf eine anstehende Neuerkundung des romantischen Belcanto-Repertoires, gestützt auf sorgfältig revidierte Notentexte, gespielt von einem Orchester mit historischen Instrumenten in einer gegenüber dem heutigen Standard deutlich tieferen Stimmung. Die Gesamtaufnahme von Bellinis...
