Editorial
Der wichtigste Job in amerikanischen Kulturinstitutionen ist der des Fundraisers. Zumal in turbulenten Zeiten. Ohne (oft hoch dotierte) Spendensammler, die Unternehmen und Privatpersonen Geld aus der Tasche ziehen, könnten Museen, Bibliotheken, Orchester und Opernhäuser in den USA einpacken. Das ist natürlich keine neue Erkenntnis: Zwischen New York und San Francisco war Kultur schon immer eine Art freiwillige Bürgerpflicht, der Staat tritt als Mäzen kaum in Erscheinung.
Während die Bundesregierung in Washington (2006) nur 125 Millionen Dollar für kulturelle Zwecke bereitstellte, warben gemeinnützige Einrichtungen (2007) rund 300 Milliarden Dollar ein. An der Bereitschaft, sich für das Wohl der Gesellschaft einzu-setzen, mangelt es also nicht in den USA. Der Haken: In großem Stil kann nur geben, wer viel übrig hat. Deshalb erreichen im Moment nicht einmal die gewieftesten Fundraiser ihr Soll.
Beispiel New York City Opera: Auf 60 Millionen Dollar wollte das Haus seinen Jahresetat aufstocken, um ab 2009 aus dem Mittelmaß (und dem Schatten der benachbarten Met) herauszutreten. Mit Gerard Mortier schien der richtige Mann für die Wende gefunden. Doch der sprang ab, als nur noch Zusagen ...
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