Circus Maximus
Vox populi. Klingt gut. Irgendwie griffig. Ein bisschen exklusiv (man spricht Latein!), aber doch der Plebs zugewandt. Unter diesem Motto stand die jüngste Spielzeit der Bayerischen Staatsoper. Also auch die Festspielwochen, mit denen Deutschlands bestausgestattete Opernbühne traditionell das Theaterjahr beschließt. Vox populi. Eine Dachmarke. Auf der Homepage sieht sie aus wie eine antike Inschrift. Auf der aktuellen, silberglänzenden Titelseite des Hausmagazins «Max Joseph» schimmert sie, links oben, in zartem Pink. Vox populi.
Ein DJ lädt zum Verdi-Club auf die große Bühne; die Werbekarte zeigt ein auf Punk getrimmtes Paar beim stilisierten Sprung in die Ekstase. Auf einem Flachbildschirm in der schicken Kassenhalle schlagen sich ein Verdi- und ein Wagner-Mime, von Nummerngirls belächelt, zwischen den buntfolienverkleideten Portalsäulen des Nationaltheaters die Nase blutig. Vox populi? Der Musentempel der Münchner Residenz – ein offenes Haus, das auf alle hört und allen gehört? Staatsintendant Nikolaus Bachler, die Stimme des neuen Opernvolks? Ein cooler Trendsetter, der das Ohr dicht am Zeitgeist hat?
Natürlich ist viel Koketterie und PR-Kalkül im Spiel, wenn ein Opernhaus, das ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann
Tristanakkord. Zwittergebilde, Sinnbild der romantischen Sehnsucht nach der Unio mystica. Vom ersten Rang aus beobachten wir Franz Welser-Möst dabei, wie er mit dem Staatsopernorchester jenen legendären Klang zubereitet. Eher sachlich wirkt er. Doch Welser-Möst wirkt am Pult immer eher sachlich, Dirigenten-Show und Geniegehabe sind ihm fremd – wobei er sich neben...
Mitte Juni kehrt Berlin jedes Jahr seine skandinavische Seite nach außen. Dann leuchtet’s noch um Mitternacht schlierig-blau am Himmel, und plötzlich ist unübersehbar, wie nah der Norden doch liegt. Das gilt auch umgekehrt: Für Künstler, denen Stockholm und Kopenhagen nicht genug sind, gehört Berlin zu den ersten urbanen Agglomerationen auf dem Weg nach Süden....
Für den nur einen Steinwurf entfernt in Lowestoft geborenen Benjamin Britten war es ein Heimspiel. Das 1948 vom Komponisten gegründete Aldeburgh Festival ehrte seinen Gründervater zu dessen 100. Geburtstag mit einer Neuproduktion von «Peter Grimes» – seiner von der eindrucksvollen Landschaft Suffolks inspirierten, ersten «echten» Oper. Die im benachbarten Dorf...
