Praxistest nicht bestanden
Es gab wohl kein Zurück mehr. Als Katharina Wagner, die vorgesehene Regisseurin, ihre Arbeit niederlegte, bevor die Proben beginnen konnten, hätte die Intendanz des ruhmreichen Teatro Colón in Buenos Aires, das sich auf eine lange Wagner-Tradition berufen kann, das Projekt einer Kurzfassung des «Ring des Nibelungen» noch einmal überdenken können.
Doch zu sehr war die mediale Aufmerksamkeit auf dieses «Event» schon aufgeheizt worden, zu viele mit dessen Vermarktung befasste Partner saßen mit im Boot, als dass man sich noch hätte aus der Affäre ziehen und eine große Blamage verhindern können.
Denn eine solche ist dieser jetzt auf 4 DVDs vorliegende, knapp siebenstündige «Colón-Ring», dessen Fassung der renommierte Klavierbegleiter und langjährige Produzent Cord Garben erstellt hat. Er ist stolz darauf, bei dieser Amputation nur wenige Noten des Meisters geändert zu haben, aber über den Sinn des Musikdramas hat er sich zu wenige Gedanken gemacht. Durch seine Striche – der ganze «Siegfried» dauert nur noch eine gute Stunde! – stehen viele, zu viele Szenen völlig im leeren Raum. Dass Rollen wie Donner, Froh und die Nornen kurzerhand eliminiert wurden, mag noch angehen. Doch ohne Erda und ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Ekkehard Pluta
Auf der Bühne des Berliner Radialsystems V ist, abgesehen von den Musikern, keiner unter sechzig: In «Dem Weggehen zugewandt», einem Projekt von Union Universal und dem Solisten-ensemble Kaleidoskop, geht es um Alter, körperliches Versagen, Demenz, Tod. Sechs Darsteller, die mit den Streichinstrumenten feste Beziehungen eingehen, rezitieren teils klischeehafte,...
Könnte es sein, dass der schweizerisch-amerikanische Komponist Ernest Bloch mit seiner Oper «Macbeth» dem dramatischen Idiom des Shakespeare’schen Königsdramas näherkommt als Verdi? Man ist versucht, die Frage mit Ja zu beantworten, wenn man die erste professionelle U. S.-amerikanische Produktion des Dreiakters gehört hat, die jüngst an der kalifornischen Long...
Wir sollten Wagners «Meistersinger» doch bitte nicht zu ernst nehmen, forderte David Alden in einem Interview zur Premiere. Und tatsächlich kaspert sich der viel beschäftigte Brite veritabel durch die drei Aufzüge. Das ist zumindest eine Seite seiner Inszenierung, die allerdings auch immer wieder ins Dunkle, Abgründige, buchstäblich Nachtschwarze kippt. Statisten...
