Editorial August
Skylark hat Angst. Eigentlich sollte jetzt sein großer Auftritt stattfinden. Er sollte aufsteigen in den Himmel, Symbol des befreiten Individuums, alle Blicke auf sich ziehen – und nach oben. Doch Skylark dreht nur eine kleine Runde knapp über den Mönchsköpfen und bringt sich bei seinem Trainer in Sicherheit. Es ist Mitternacht. Skylark gehört als finale Pointe zum Stockhausen-Großprojekt der Musica Viva, aber nachts fliegen keine Raben. Also auch Skylark nicht. So bleibt es bei einer Andeutung dessen, was sein könnte, sollte, müsste in der Münchner Fußgängerzone.
Aber wir haben schon verstanden. Stockhausen, der große Guru, selbst einer von denen, die gern abheben, war alles andere als ein cooler Technikfreak. Er wollte in seinem «Licht»-Zyklus das ganze Leben porträtieren – Himmel und Erde, Seele und Körper, Glaube, Liebe, Hoffnung, Geburt und Tod. Mit Klavierclustern und Engelszungen, mit Bläserstürmen und Orchesterstimmen, mit einem Mönchschor, der singend, psalmodierend, stampfend, rasend Luzifers böse Geister vertreibt. Bis die Luft rein ist. Nicht nur für den Vogel. Doch auch ohne Skylark war er eine grandiose Erfahrung, dieser «Samstag aus Licht». Man muss sie eben nur ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch & Albrecht Thiemann
Quick, quick, slow, slow! Mittwochs in «Clärchens Ballhaus», Lindy-Hop in Tellerrock mit oder ohne Petticoat. Oder am Wochenende im «Kater Holzig», Electro-Swing mit Glitzerlidschatten. Der Puls der Zwanziger- und frühen Dreißigerjahre trifft ganz offensichtlich einen Nerv der Berliner Gegenwart. Barrie Kosky hat mit Paul Abrahams Jazz-Operette «Ball im Savoy» an...
Wir sollten Wagners «Meistersinger» doch bitte nicht zu ernst nehmen, forderte David Alden in einem Interview zur Premiere. Und tatsächlich kaspert sich der viel beschäftigte Brite veritabel durch die drei Aufzüge. Das ist zumindest eine Seite seiner Inszenierung, die allerdings auch immer wieder ins Dunkle, Abgründige, buchstäblich Nachtschwarze kippt. Statisten...
Die Figur der Kleopatra ist nicht nur Kino-, sondern auch Theatergängern geläufig, vor allem durch Shakespeares «Antony and Cleopatra». Daran, dass auch Jules Massenet, der Großmeister der französischen Oper des Fin de Siècle, ein Bühnenwerk über die ägyptische Königin (69–30 v. Chr.) geschrieben hat, dürften sich allerdings selbst Experten bis vor Kurzem kaum...
