Editorial August

Opernwelt - Logo

Skylark hat Angst. Eigentlich sollte jetzt sein großer Auftritt stattfinden. Er sollte aufsteigen in den Himmel, Symbol des befreiten Individuums, alle Blicke auf sich ziehen – und nach oben. Doch Skylark dreht nur eine kleine Runde knapp über den Mönchsköpfen und bringt sich bei seinem Trainer in Sicherheit. Es ist Mitternacht. Skylark gehört als finale Pointe zum Stockhausen-Großprojekt der Musica Viva, aber nachts fliegen keine Raben. Also auch Skylark nicht. So bleibt es bei einer Andeutung dessen, was sein könnte, sollte, müsste in der Münchner Fußgängerzone.

Aber wir haben schon verstanden. Stockhausen, der große Guru, selbst einer von denen, die gern abheben, war alles andere als ein cooler Technikfreak. Er wollte in seinem «Licht»-Zyklus das ganze Leben porträtieren – Himmel und Erde, Seele und Körper, Glaube, Liebe, Hoffnung, Geburt und Tod. Mit Klavierclustern und Engelszungen, mit Bläserstürmen und Orchesterstimmen, mit einem Mönchschor, der singend, psalmodierend, stampfend, rasend Luzifers böse Geister vertreibt. Bis die Luft rein ist. Nicht nur für den Vogel. Doch auch ohne Skylark war er eine grandiose Erfahrung, dieser «Samstag aus Licht». Man muss sie eben nur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2013
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch & Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Musik in Aktion

Sie haben sich respektiert. Geistesverwandte waren sie nicht. Karlheinz Stockhausen, der katholisch sozialisierte Klangmystiker aus dem Bergischen Land, und Luciano Berio, der sinnlich-sonnige Gefühlsharmoniker aus Ligurien. Und doch gab es auch Verbindendes – nicht nur den Gedankenaustausch in Darmstadt, von dem ein bekanntes Foto aus dem Jahr 1956 zeugt: die...

Strandpartie

Für den nur einen Steinwurf entfernt in Lowestoft geborenen Benjamin Britten war es ein Heimspiel. Das 1948 vom Komponisten gegründete Aldeburgh Festival ehrte seinen Gründervater zu dessen 100. Geburtstag mit einer Neuproduktion von «Peter Grimes» – seiner von der eindrucksvollen Landschaft Suffolks inspirierten, ersten «echten» Oper. Die im benachbarten Dorf...

Raritäten, Kalamitäten

Kurz vor dem Ende der letzten Spielzeit hatte es nach chaotischem Vorlauf doch noch geklappt: Der Sieben-Stunden-Kurz-«Ring» des Teatro Colón ging mit großem Tamtam über die Bühne (siehe auch Seite 32). Doch waren es in den Medien weniger beachtete Produktionen, die in Buenos Aires für frische Opernerlebnisse sorgten: Enescus «Oedipe» und Szymanowskis «Hagith»...