Kurz und bündig
Die Geschichte ist zu schön, um wahr zu sein. Verdi, der Komponist des Risorgimento. Verdi, ein Mann des Volkes. Verdi, der Nationalheld, der mit «Va, pensiero, sull’ali dorate», dem berühmten Gefangenenchor aus «Nabucco», die Unabhängigkeitshymne Italiens schrieb. «Viva V.E.R.D.I.» – selbst der Schlachtruf, mit dem italienische Patrioten Vittorio Emanuele Re d’Italia, das erste Oberhaupt der befreiten Nation, feierten, fand Eingang ins legendäre Bild: Künstler und König, vereint im selbstlosen Kampf für Volk und Vaterland.
Wunschvorstellungen, Projektionen einer für bare Münze genommenen Mythografie sind das für Anselm Gerhard. Seit Jahren nimmt der Berner Musikhistoriker die scheinbar unverwüstlichen Klischees der Verdi-Rezeption auseinander. Und hat zahllose Ungereimtheiten aufgedeckt, die das liebgewonnene Image vom guten Menschen aus Sant’Agata in Frage stellen. Ein Image, das Verdi nach Kräften förderte. Über die ersten drei Jahrzehnte seines Lebens zum Beispiel geben fast nur Selbstzeugnisse des arrivierten Komponisten Auskunft, «die man wohlwollend als effektsichere, mit theatralischem Gespür verfasste Selbstinszenierungen bezeichnen könnte, weniger wohlwollend aber als ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Albrecht Thiemann
Sie haben sich respektiert. Geistesverwandte waren sie nicht. Karlheinz Stockhausen, der katholisch sozialisierte Klangmystiker aus dem Bergischen Land, und Luciano Berio, der sinnlich-sonnige Gefühlsharmoniker aus Ligurien. Und doch gab es auch Verbindendes – nicht nur den Gedankenaustausch in Darmstadt, von dem ein bekanntes Foto aus dem Jahr 1956 zeugt: die...
Mit Michael ging es los. Dem Hausheiligen und Schutzpatron, der «höchsten geistigen Macht» des Komponisten. Sein Tag ist der «Donnerstag», das älteste Stück des siebenteiligen «Licht»-Zyklus, an dem Karlheinz Stockhausen von 1978 bis 2003
arbeitete. Ein Tag des «Lernens», der spirituellen Besinnung, der kosmischen Entgrenzung des Bewusstseins. Dann war Luzifer an...
Mitte Juni kehrt Berlin jedes Jahr seine skandinavische Seite nach außen. Dann leuchtet’s noch um Mitternacht schlierig-blau am Himmel, und plötzlich ist unübersehbar, wie nah der Norden doch liegt. Das gilt auch umgekehrt: Für Künstler, denen Stockholm und Kopenhagen nicht genug sind, gehört Berlin zu den ersten urbanen Agglomerationen auf dem Weg nach Süden....
