Kurz und bündig
Die Geschichte ist zu schön, um wahr zu sein. Verdi, der Komponist des Risorgimento. Verdi, ein Mann des Volkes. Verdi, der Nationalheld, der mit «Va, pensiero, sull’ali dorate», dem berühmten Gefangenenchor aus «Nabucco», die Unabhängigkeitshymne Italiens schrieb. «Viva V.E.R.D.I.» – selbst der Schlachtruf, mit dem italienische Patrioten Vittorio Emanuele Re d’Italia, das erste Oberhaupt der befreiten Nation, feierten, fand Eingang ins legendäre Bild: Künstler und König, vereint im selbstlosen Kampf für Volk und Vaterland.
Wunschvorstellungen, Projektionen einer für bare Münze genommenen Mythografie sind das für Anselm Gerhard. Seit Jahren nimmt der Berner Musikhistoriker die scheinbar unverwüstlichen Klischees der Verdi-Rezeption auseinander. Und hat zahllose Ungereimtheiten aufgedeckt, die das liebgewonnene Image vom guten Menschen aus Sant’Agata in Frage stellen. Ein Image, das Verdi nach Kräften förderte. Über die ersten drei Jahrzehnte seines Lebens zum Beispiel geben fast nur Selbstzeugnisse des arrivierten Komponisten Auskunft, «die man wohlwollend als effektsichere, mit theatralischem Gespür verfasste Selbstinszenierungen bezeichnen könnte, weniger wohlwollend aber als ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Albrecht Thiemann
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Erfreulich viel hat sich in Sachen Massenet seit den Pioniertaten von Richard Bonygne getan. Fast vier Jahrzehnte nach dessen verdienstvoller «Thérèse»-Aufnahme ist jetzt eine beglückende Neueinspielung der veristischen Kurzoper herausgekommen, mit Alain Altinoglu an der Spitze des Orchesters der Oper von Montpellier, in der luxuriösen Edition der Stiftung...
Die Figur der Kleopatra ist nicht nur Kino-, sondern auch Theatergängern geläufig, vor allem durch Shakespeares «Antony and Cleopatra». Daran, dass auch Jules Massenet, der Großmeister der französischen Oper des Fin de Siècle, ein Bühnenwerk über die ägyptische Königin (69–30 v. Chr.) geschrieben hat, dürften sich allerdings selbst Experten bis vor Kurzem kaum...
