Bajazzo 2.0

Ein echter Wurf: Ruggero Leoncavallos Oper «Zingari»

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Der «Bajazzo» war für Ruggero Leoncavallo Segen und Fluch zugleich: 1892 gelang ihm mit diesem Einakter ein Welterfolg, der ihn bis heute unsterblich macht. Doch stand dieser Glücksfall allen weiteren kreativen Bemühungen des vielseitigen Komponisten im Weg. Seine ein Jahr nach Puccinis gleichnamiger Oper herausgekommene «Bohème» konnte sich ebenso wenig durchsetzen wie die verführerische «Zazà» aus dem Jahre 1900.

Warum also den Stier nicht bei den Hörnern packen? 1912 nahm er den Auftrag des Hippodrome Theatre in London an, eine ebenso knappe Oper wie «Pagliacci» zu schreiben: kaum mehr als eine Stunde Spielzeit. Et voilà: In diesem Varieté-Theater erwiesen sich die «Zingari» als wahrer «Blockbuster», der zweite überwältigende Erfolg in der Karriere des Komponisten nach «Pagliacci». 

Doch am Ende half ihm auch das nicht. Zwar brachte das Stück reichlich Geld ein, wurde sogleich in Italien, dann auch in Chicago, Buenos Aires und Mainz nachgespielt. Nach Leoncavallos Tod im August 1919 geriet es jedoch schnell in Vergessenheit. Dabei stammt die Vorlage des Stoffs von keinem Geringeren als Puschkin. Dessen Versgedicht «Cygany» hatte Sergej Rachmaninow bereits 1893 für seinen ...

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Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 35
von Anselm Gerhard

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