Er hatte alles

Ein Album mit Werken von Wagner, Verdi, Offenbach, Borodin und Tschaikowsky erinnert an den großen Bassbariton George London

Opernwelt - Logo

Das Lob stammt aus höchst berufenem Munde: «Ich hatte viele wunderbare Kollegen, die mich faszinierten. Da waren die mit den großartigen Stimmen, oder die feinen Musiker, oder die wunderbaren Schauspieler, oder die großen Persönlichkeiten. Aber George London – er hatte Alles.» Damit meinte die große Birgit Nilsson nicht nur Londons mächtige, bassig grundierte, in der hohen Lage bis zum F ausladende, sondern insbesondere seine auratische Stimme, an die das Label Orfeo jetzt zum zweiten Mal erinnert: durch ein bereits im Jahre 2000 veröffentlichtes Recital.

Im Mittelpunkt stehen zwei große Szenen, die London im Oktober 1953 mit Astrid Varnay unter Hermann Weigert, dem Ehemann der Sängerin, für den Bayerischen Rundfunk aufgenommen hat. Es war keine harmonische Koppelung für das Duett zwischen Aida und Amonasro: zwischen dem herben, scharfen Ton und den flach klingenden Vokalen Varnays und dem gerundeten Klang Londons: zornbebend bei der Invektive gegen die «Sklavin der Pharaonen», mit strömender Fülle in der «Pensa che un popolo vinto»-Phrase. Der herbe Reiz ihres oft scharfen Soprans kommt im Brünnhilde-Wotan-Dialog («War es so schmählich») besser zur Geltung; Garant des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 33
von Jürgen Kesting

Weitere Beiträge
Vorschau und Impressum 11/22

FantasievollEines sind ihre Inszenierungen nie: langweilig. Lydia Steier steht für eine Regiekunst, die den jeweiligen Stoff stets ernsthaft durchdringt, ohne ihn moralisch zu verbiestern. Nun wagt sich die Luzerner Operndirektorin an Strauss’ Einakter «Salome» und gibt damit ihr Regiedebüt an der Opéra national de Paris. Wir fahren natürlich hin

Federführend
Sie...

Wassermusik

Mögen sie einander auch in noch so intimer Abneigung verbunden sein: Ein Duell unter Edelmännern setzt die Wahl der gleichen Waffen voraus. Das gilt im wahren Leben wie in der Kunst. Also lässt Giorgio Battistelli für «Orazi e Curiazi», jene Kostbarkeit des Instrumentalen Theaters, zwei Schlagzeuger aufeinandertreffen, deren perkussives Instrumentarium nahezu...

Ein tödliches Spiel

Johann Sigismund Kusser war wie viele Musiker seiner Zeit ein Kosmopolit wider Willen, ruhelos hin- und hergetrieben zwischen den konkurrierenden Fürstenhöfen, kurzum: ein «weitgereister Musiker», wie die australische Musikologin Samantha Owens ihre 2017 erschienene Monografie betitelte. Mit vierzehn kam der im damals ungarischen Preßburg geborene Sohn eines...