Blicke ins Jenseits

Poulenc: Dialogues des Carmélites in Rom

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In Poulencs «Dialogues des Carmélites», meint Michele Mariotti, seit dieser Spielzeit musikalischer Leiter des Teatro dell’Opera di Roma, gehe es um universelle Themen: «die Beziehung von Leben und Tod, die Angst, den Glauben an die eigenen Überzeugungen». Als gäbe es ein zartes Band zwischen Kunst und Wirklichkeit, tritt noch vor Beginn der Saisoneröffnungspremiere der Superintendent Francesco Giambrone vor den Vorhang, um eine Schweigeminute zu erbitten. Stunden zuvor hatte ein Erdrutsch auf Ischia etliche Todesopfer gefordert.

Das ungeschönte Draußen trifft auf eine herausgeputzte Festgesellschaft, schicksalhafte Härte auf betonte Leichtigkeit. Dieser Kontrast steht einem musikalischen Abend gegenüber, der es im Grau zwischen Schwarz und Weiß nicht schafft, klare Konturen zu ziehen. 

Frankreich im Jahr 1794, die Revolution ist in vollem Gang. Blanche de la Force ist die von Angst durchglühte Tochter eines Marquis, die sich nicht zutraut, der Welt, wie sie ist, standzuhalten. Sie trifft die Entscheidung, sich den Karmelitinnen anzuschließen. Corinne Winters führt in ihrem Rollendebüt als Blanche einen ausgewogenen, vollen Sopran, dem mehr Reife innewohnt als man der jungen ...

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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Katharina Stork

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