Blicke ins Jenseits
In Poulencs «Dialogues des Carmélites», meint Michele Mariotti, seit dieser Spielzeit musikalischer Leiter des Teatro dell’Opera di Roma, gehe es um universelle Themen: «die Beziehung von Leben und Tod, die Angst, den Glauben an die eigenen Überzeugungen». Als gäbe es ein zartes Band zwischen Kunst und Wirklichkeit, tritt noch vor Beginn der Saisoneröffnungspremiere der Superintendent Francesco Giambrone vor den Vorhang, um eine Schweigeminute zu erbitten. Stunden zuvor hatte ein Erdrutsch auf Ischia etliche Todesopfer gefordert.
Das ungeschönte Draußen trifft auf eine herausgeputzte Festgesellschaft, schicksalhafte Härte auf betonte Leichtigkeit. Dieser Kontrast steht einem musikalischen Abend gegenüber, der es im Grau zwischen Schwarz und Weiß nicht schafft, klare Konturen zu ziehen.
Frankreich im Jahr 1794, die Revolution ist in vollem Gang. Blanche de la Force ist die von Angst durchglühte Tochter eines Marquis, die sich nicht zutraut, der Welt, wie sie ist, standzuhalten. Sie trifft die Entscheidung, sich den Karmelitinnen anzuschließen. Corinne Winters führt in ihrem Rollendebüt als Blanche einen ausgewogenen, vollen Sopran, dem mehr Reife innewohnt als man der jungen ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Katharina Stork
Oper, das war im 18. Jahrhundert vergängliche Gebrauchskunst. Ungewöhnlich genug also, dass Maria Antonia Walpurgis Symphorosa von Bayern ihre «Talestri, regina delle Amazzoni» bald nach der Uraufführung 1763 in Dresden drucken ließ. Und noch etwas ist ungewöhnlich an der Oper innerhalb ihrer Epoche: die stringente, alle Fäden psychologisch stimmig zusammenführende...
Der Erzähler bringt es gleich zu Beginn auf den Punkt: «It is a curious story.» In der Tat, es ist eine seltsame Geschichte. Schon die Vorlage zu Benjamin Brittens 1954 in Venedig uraufgeführter Oper «The Turn of the Screw» ist es, Henry James’ gleichnamige Novelle von 1898. Darin wird, verkürzt gesagt, eine der wesentlichen Fragen unserer Existenz gestellt: Ist...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
In der Semperoper bei Allesandro Rollas Bratschenkonzert, gespielt von Tabea Zimmermann.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Im Berner Jura, mit Blick auf den Bielersee.
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Ich liebe Proben. Wenn es mal hakt, freuen sich alle über eine Prise Humor. Wenn es in mir hakt, mache...
