In die Tiefe
Oper, das war im 18. Jahrhundert vergängliche Gebrauchskunst. Ungewöhnlich genug also, dass Maria Antonia Walpurgis Symphorosa von Bayern ihre «Talestri, regina delle Amazzoni» bald nach der Uraufführung 1763 in Dresden drucken ließ. Und noch etwas ist ungewöhnlich an der Oper innerhalb ihrer Epoche: die stringente, alle Fäden psychologisch stimmig zusammenführende Handlung. Talestri könnte Königin der Amazonen werden, wenn sie den Schwur ablegte, alle Männer zu hassen. Wie es die Oberpriesterin Tomiri fordert, die von einem Mann vergewaltigt wurde.
Doch im Gegensatz zu ihr treffen Talestri und ihre Schwester Antiope auf zwei ausgesprochene Musterexemplare des anderen Geschlechts: treu, nobel und opferbereit in alle Richtungen.
Da ist das Gewöhnlichste fast schon die Komponistin und – in Personalunion – Autorin des Librettos, eine Wittelsbacher Prinzessin, durch Heirat Regentin und kurzzeitig Kurfürstin von Sachsen, die mit der Oper auch eigene Herrschaftsansprüche anmeldete. Schließlich gab es gar nicht so wenige komponierende Adlige, fast könnte man von einem eigenen, vergessenen Strang der Musikgeschichte sprechen. Maria Antonia, die selbst auch die Titelpartie sang, lernte ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Stallknecht
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
In der Semperoper bei Allesandro Rollas Bratschenkonzert, gespielt von Tabea Zimmermann.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Im Berner Jura, mit Blick auf den Bielersee.
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Ich liebe Proben. Wenn es mal hakt, freuen sich alle über eine Prise Humor. Wenn es in mir hakt, mache...
Als die Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg darangingen, eine demokratische Verfassung zu erstellen, galt ihr Augenmerk vor allem drei Entitäten: einmal der Würde des Menschen (und den damit verbundenen Menschenrechten), der Gleichberechtigung und schließlich der Freiheit in all ihren Facetten. Auch für den Bereich der Kunst...
Wer wissen will, wie tief ein Mensch sinken kann, wenn er von Vorurteilen, abgründigem Hass und tiefsitzenden antisemitischen Ressentiments bestimmt wird, sollte jenes Pamphlet lesen, das Houston Stewart Chamberlain 1906 anlässlich seinerzeit aktueller Debatten um die Errichtung eines Heine-Denkmals verfasste. Darin heißt es, der Dichter der Romantik sei «ein...
