Schein und Sein
Der Erzähler bringt es gleich zu Beginn auf den Punkt: «It is a curious story.» In der Tat, es ist eine seltsame Geschichte. Schon die Vorlage zu Benjamin Brittens 1954 in Venedig uraufgeführter Oper «The Turn of the Screw» ist es, Henry James’ gleichnamige Novelle von 1898. Darin wird, verkürzt gesagt, eine der wesentlichen Fragen unserer Existenz gestellt: Ist das, was wir sehen, wirklich geschehen? Oder ist es nur Einbildung, Wunschtraum, Vorstellung, Projektion oder schlimmer gar: Psychose? Wir wissen es nicht, werden es wohl auch nie je herausfinden.
Weder James noch Britten beantworten diese Frage in irgendeiner Weise. Das Geheimnis von Bly bleibt gewahrt. Auf immer.
Auch die Neuaufnahme mit Ben Glassberg am Pult des La Monnaie Chamber Orchestra bringt kein Licht ins Dunkel. Wobei: So ganz stimmt das nicht. Denn die Interpretation ist luzide, in dem Sinn, dass sie Brittens kongeniale Vertonung des Stoffes in diamantgeschliffener Präzision und mit hellwachem Klangsinn realisiert. Noch die unscheinbarste Nuance wird hörbar in dieser Lesart, jedes Detail fast obsessiv beleuchtet. Die Dichotomie aus Wahrnehmung und Täuschung, die sich wie ein roter Faden durch Brittens Oper ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 27
von Jan Verheyen
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Aachen Theater Aachen
www.theateraachen.de
- Verdi, Stiffelio: 7., 19., 29.
- The Tiger Lillies, Shockheaded Peter: 14., 20. - Mozart, Le nozze di Figaro: 15., 21., 27.
Annaberg-Buchholz Winterstein-Theater
www.winterstein-theater.de
-...
Das Geld und die Kunst lagen in London eigentlich schon immer und fast buchstäblich nebeneinander auf der Straße. Noch heute gibt es in der Bankenstadt, der kundige Zeitgenossen den poetisch-sarkastischen Beinamen «Laundramat» angedichtet haben, verstreut über die Viertel sogenannte «Theatre Pubs», wo im Erdgeschoss Unmengen von Pints durch durstige Brexitkehlen...
Diese Oper gehört allen.» So deutlich und unverblümt sagt es Myung-Whun Chung in seiner kurzen Begrüßungsrede, zu der ihn der Bürgermeister Venedigs in die prächtig dekorierten Sale Apollinee gebeten hat. Der koreanische Dirigent kommt geradewegs von der erfolgreichen «Falstaff»-Premiere, mit der die neue Saison am Teatro La Fenice eröffnet worden ist. Wie so viele...
