Rauchzeichen: Eleonore Marguerre (Arabella), Foto: Thomas M. Jauk/StagePicture
Bitterer Beigeschmack
Zum Auftakt seiner letzten Saison als Dortmunds Intendant hat sich Jens-Daniel Herzog mit «Arabella» ein Werk vorgenommen, dass nicht ohne ist. Zwar knüpft dessen Klangwelt bewusst an die bitter-frivole Süße des «Rosenkavaliers» an und spielt ebenfalls in Wien. Doch liegen mehr als 20 Jahre zwischen beiden Opern, feiert «Arabella» zudem ein rückständiges Frauenbild: Bereitwillig unterwirft sich die Titelfigur einem betont starken, archaischen Mann. Richard Strauss hatte die Partitur ursprünglich Fritz Busch zugeeignet.
Den aber trieben die Nationalsozialisten in die Emigration – woraufhin der Komponist die Widmung diskret entfernte. Der systemkonforme Clemens Krauss dirigierte die Uraufführung, Strauss wurde auf den Posten des Präsidenten der Reichsmusikkammer gehievt.
Stoff genug also für eine politisch zugespitzte Inszenierung. Doch Jens-Daniel Herzog, sonst nie verlegen um kontroverse Lesarten, lässt diese Steilvorlage ungenutzt, aktualisiert allenfalls behutsam. Seine Regie konzentriert sich auf die flüssig abschnurrende, mit herben Untertönen versehene Komödie, meißelt mit Verve und sicheren Pointen lauter lieblose Charaktere heraus. En passant entlarvt Herzog den betörenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Aus Gérard Corbiaus Film «Farinelli» ist jene Szene in Erinnerung geblieben, in der der Kastraten-Superstar mit seinem komponierenden Bruder Riccardo Broschi wegen dessen allzu schematischer Arien-Produktion hadert. Er setzt sich ans Cembalo, um die melodisch, rhythmisch und harmonisch allzu formelhaften Vehikel zur Demonstration bloßer vokaler Virtuosität samt...
Kaum zu glauben: Der Tenor René Kollo wird am 20. November 80 Jahre alt. Bis heute ist er aktiv und im Gespräch. Nicht mehr nur als Sänger, sondern auch als Autor von Büchern (darunter eines über Wagner sowie ein Kriminalroman) und streitbarer Kommentator des sogenannten Regietheaters in Bayreuth und anderswo. Der Operngesang stand zwar im Zentrum seiner Karriere,...
Reinhard Goebel, einer der seriösesten und experimentierfreudigsten Alte-Musik-Pioniere aus Deutschland, hat einmal von einem Kammermusikkurs in Salzburg berichtet, bei dem er in die Runde fragte, ob sich jemand dezidiert mit den Hintergründen der gespielten Musik beschäftigt habe. Worauf eine französische Streicherin abwimmelte: Vorworte lese sie prinzipiell...
