Aus der Mitte entspringt ein Fluss
Kaija Saariaho kam am 14. Oktober 1952 in Helsinki zur Welt. Wie alle später europa- und weltweit bekannt gewordenen Musikerinnen und Musiker Finnlands studierte sie an der Sibelius-Akademie ihrer Geburtsstadt (in ihrem Fall: Komposition). Doch von dem konservativen Klima in der gerühmten Akademie war die junge Saariaho ganz und gar nicht begeistert.
Deshalb gründete sie zusammen mit jungen finnischen Kompositionskollegen – darunter Jouni Kaipainen, Magnus Lindberg und Tapani Länsiö – die Initiative «Korvat Auki», deren ursprünglicher Name meist als englisches Pendant («Open Ears») durch das Netz wabert. Die Gründung dieser Gruppe zur Verbesserung der Sichtbarkeit avantgardistischen Komponierens in Finnland mag für Saariaho von besonderer Bedeutung gewesen sein. Nicht einfach nur daheim im stillen Kämmerlein Noten auf Papier bannen, sondern sich auch (organisiert) herausbewegen; in Richtung Darmstadt, Donaueschingen und Co.!
Bald wechselte Saariaho an die Musikhochschule Freiburg, wo der New-Complexity-Partituren-Designer Brian Ferneyhough seit 1978 als Kompositionsprofessor unterrichtete. Bei ihm wird sie die Möglichkeiten genauer Notation emsig erforscht haben, die Konzentration ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Arno Lücker
Frische, der Duft der Rose, die Stimme der Nachtigall, der Flügelschlag des Schmetterlings – das seien die Qualitäten von Jules Massenets Musik, schreibt Camille Saint-Saëns nicht ohne subtile Ranküne über die im Dezember 1881 im Brüsseler Théâtre de la Monnaie uraufgeführte «Hérodiade» seines Konkurrenten um die Gunst des Belle-Époque-Publikums. Der schmachtende,...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ich weine nicht viel in der Oper, das ist abhängig vom Stück und von den Sängern. Wenn sie mit wahren Emotionen und aus ihrer tiefsten Seele singen, kann ich weinen.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Auf jeden Fall in Südafrika, in meiner Heimatstadt Kroonstad oder Bloemfontein, weil es die Hauptstadt unserer Region ist.
Siebzig Minuten lang wird auf der Bühne geknüpft und geknotet. Meterlange Stoffbahnen fallen aus dem Schnürboden herab, von rasselnden Ketten gehalten. Die Darsteller weben und wickeln sie zu einem flammend roten Netzwerk, das die gesamte Bühne in schrägen, asymmetrischen Linien überzieht. Bei der szenischen Uraufführung der Vokalsymphonie «The Prison» von Ethel...
