Das Glück des Augenblicks
Die Neuinszenierung von Frank Hilbrich bestätigt es: Die scheinbar leichte, heute etwas bemüht-brillant wirkende «Jazz-Oper» von 1927 ist nicht leicht zu realisieren. Mit ihr huldigte der blutjunge Avantgardist Ernst Krenek dem Zeitgeist der Goldenen Zwanziger – der Wagnerismus, dem noch Strauss und Schreker mit ihren lyrischen Musikdramen beseelt gefolgt waren, galt als überwunden. «Mahagonny» und die «Dreigroschenoper» grüßten schon vorab. Die Nazis erklärten den gefeierten und hundertfach gespielten «Jonny» für «entartet» und verboten ihn.
Ernst Krenek, Wiener des Jahrgangs 1900, wollte etwas unverblümt Freches auf die Beine stellen: «Ich ersann eine lebhafte und spannende Handlung», bemerkte Krenek lapidar. «Zeitoper» nannte man das damals, und doch erfand der Komponist mit seinem selbstverfassten Libretto eine durchaus konventionelle Personendramaturgie in alltagsbanalen Umgebungen: Es gibt zwei Paare – ein ernstes, der Komponist Max und die Opernsängerin Anita, sowie ein lustiges, der farbige Jazzgeiger Jonny und das Stubenmädchen Yvonne. Vier Personen werden durch die amourösen Machenschaften des Violinvirtuosen Daniello und den verführerischen Glanz seiner kostbaren ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Wolfgang Schreiber
Nach dieser Aufführung möchte man sprachlich Fahnenflucht begehen, die abgewohnten Worte hinter sich lassen. Denn das, was man an diesem Abend, bei Romeo Castelluccis beklemmender, weit über das Theatralisch-Szenische hinausgehender Exegese von Glucks «Orfeo ed Euridice» erlebt, entzieht sich jeder üblichen Beschreibung.
Bei seiner Annäherung an den...
Peter Konwitschny ist mit Johann Sebastian Bach groß geworden. Weil sein Vater Franz von 1949 bis 1962 Gewandhauskapellmeister war, wuchs er in der Bach-Stadt Leipzig auf. Viel später, an der Oper, wo er von 2008 bis 2011 Chefregisseur war, begann er, sich die Kantaten vorzunehmen: «Ich habe genug» war 2009 die erste, 2010 folgte «O Ewigkeit, du Donnerwort» (BWV 60...
«Robert le diable» ist die erste der vier grand opéras von Giacomo Meyerbeer. Wer von der Aufführung an der Londoner Covent Garden Opera den Durchbruch dieses bei seiner Pariser Uraufführung 1831 sensationell erfolgreichen Werks für das heutige Repertoire erhofft hatte, sieht sich bitter enttäuscht (siehe OW 2/2013). Zuvörderst, weil die Möglichkeiten, die die...
