Eine Seria reinsten Wassers
Pietro Metastasios Libretto «La clemenza di Tito» zählt zu den am häufigsten vertonten Operntexten des 18. Jahrhunderts. Im Repertoire gehalten hat sich aber nur Mozarts Adaption, für die Caterino Mazzolà den Text Metastasios stark überarbeitete.
Als Christoph Willibald Gluck 1752 seine Fassung des Librettos für Neapel vertonte, erlaubte er sich zwar auch einige Eingriffe, die aber im Vergleich zu jener weit reichenden Umakzentuierung, die Mozart vornehmen ließ, so geringfügig ausfielen, dass sie die Grundstruktur des Originals nicht berührten.
Glucks «Titus» ist eine Opera seria reinsten Wassers. Die Begegnung mit diesem Werk offenbart, wie zuvor die beiden Fassungen seines «Ezio», die in den vergangenen Jahren in gleich mehreren Aufnahmen herauskamen, eine Facette des Komponisten, die unter der Fixierung auf den Opernreformer Gluck oft übersehen wurde und noch wird. Jenen Stil der großen italienischen Oper, gegen den er und seine intellektuellen Mentoren wie Ranieri di Calzabigi oder der Graf Giacomo Durazzo später zu Felde zogen, hatte Gluck selbst jahrzehntelang komponierend bedient – und das auf hohem kompositorischen Niveau.
In Neapel stand Gluck ein exquisites Sängerensemble ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Thomas Seedorf
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Bleich sieht er aus, wenn er so in die Leere starrt. Leise tönt seine Stimme. Mehr singt es aus ihm, als dass er die Initiative ergreifen würde. A-Dur ist plötzlich eine fahle, weiße Tonart und «Là ci darem la mano» alles andere als eine Verführungsnummer. Don Giovanni holt seine Gedanken aus weiter Ferne. Mit der kleinen, drallen Zerlina jedenfalls, deren Augen...
