Schritte ins Unsichere
Adriana Hölszky zählt heute zu den innovativsten, profiliertesten Komponistinnen der Gegenwart – umso mehr, als sie sich, anders als so manche prominenten Zeitgenossen, nicht vom Projekt der Moderne verabschiedet hat. Aus Anlass ihres 60. Geburtstags sind 2013 zwei Veröffentlichungen erschienen, die Annäherungen an die gleichermaßen komplexen wie weitverzweigten Klangwelten ihrer Musik unternehmen.
Maria Kostakeva hat dabei das grundlegendere Buch geschrieben, dafür liefern die überwiegend den Musiktheaterarbeiten Hölszkys gewidmeten Aufsätze des «Musik-Konzepte»-Bandes die eindringlicheren Einzelanalysen.
Kostakevas Ausgangs- und Brennpunkt ist «die besondere Klangexpressivität» der Musik Hölszkys, die sie als «Spiegelung von Naturprozessen» interpretiert: «Die Transformationen der ursprünglichen Klangsubstanz und die damit entstehenden Turbulenzen, Explosionen und neue Formung weisen auf die gleichzeitige Anwesenheit von strukturierenden und chaotischen Prozessen in den musikalischen Strukturen.» Im auskomponierten Wechsel von Katastrophe und Ordnung, Konstruktion und Dekonstruktion, Explosion und Stille, von Brüchen und Wucherungen sieht Kostakeva den Grund für die äußerste ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Uwe Schweikert
Die Grenzen dessen, was Singen sein kann, zieht der landläufige Opernbetrieb eher eng. Wer abseits der europäischen Hochkultur erfahren will, was außerhalb Europas oder außerhalb der Kunst als schöner oder ausdrucksvoller Gesang gilt, konnte in den vergangenen Jahren bei den Internationalen Festspielen in Bergen mitreißende Erfahrungen machen. An der norwegischen...
Haben Sie sich die Zeit nach Ihrer Intendanz so vorgestellt?
Nee. Jedenfalls nicht so arbeitsreich. Ich hatte schon gehofft, etwas mehr Freizeit zu haben und das Zuhause genießen zu können. Ich bin fast genauso viel auf Reisen wie zu Sängerzeiten.
Man könnte sich auch dagegen entscheiden.
Ja, das stimmt wohl. Aber wenn man im Alter noch so gefragt ist, ist das schon...
Der Komponist Manfred Gurlitt (1890-1972) vertonte fast gleichzeitig mit Alban Berg den «Woyzeck» von Büchner, der damals noch Wozzeck hieß. Das gelang ihm vorzüglich, weil er sich eng an die Vorlage hielt. Später vertonte er auch die «Soldaten» von Lenz. Das misslang aus dem gleichen Grund: Er hielt sich zu eng an die Vorlage. «Die Soldaten» – das ist die...
