Schritte ins Unsichere
Adriana Hölszky zählt heute zu den innovativsten, profiliertesten Komponistinnen der Gegenwart – umso mehr, als sie sich, anders als so manche prominenten Zeitgenossen, nicht vom Projekt der Moderne verabschiedet hat. Aus Anlass ihres 60. Geburtstags sind 2013 zwei Veröffentlichungen erschienen, die Annäherungen an die gleichermaßen komplexen wie weitverzweigten Klangwelten ihrer Musik unternehmen.
Maria Kostakeva hat dabei das grundlegendere Buch geschrieben, dafür liefern die überwiegend den Musiktheaterarbeiten Hölszkys gewidmeten Aufsätze des «Musik-Konzepte»-Bandes die eindringlicheren Einzelanalysen.
Kostakevas Ausgangs- und Brennpunkt ist «die besondere Klangexpressivität» der Musik Hölszkys, die sie als «Spiegelung von Naturprozessen» interpretiert: «Die Transformationen der ursprünglichen Klangsubstanz und die damit entstehenden Turbulenzen, Explosionen und neue Formung weisen auf die gleichzeitige Anwesenheit von strukturierenden und chaotischen Prozessen in den musikalischen Strukturen.» Im auskomponierten Wechsel von Katastrophe und Ordnung, Konstruktion und Dekonstruktion, Explosion und Stille, von Brüchen und Wucherungen sieht Kostakeva den Grund für die äußerste ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Uwe Schweikert
Die Macht der Annalistik: Zum 150. Geburtsjubiläum präsentiert Brigitte Fassbaender in Kooperation mit dem Richard Straus Institut in Garmisch-Partenkirchen eine Edition sämtlicher Klavierlieder. Aufgeboten sind drei Soprane, zwei Mezzosoprane, fünf Tenöre, zwei Baritone, ein Bass und fünf Pianisten. Fassbaender selbst ist als eindringliche Rezitatorin zweier...
Erst spät, mit 35 Jahren, wagte sich Antonio Vivaldi an die Komposition von Opern. Für das Zusammentreffen mit dem verwöhnten Publikum seiner Heimatstadt Venedig ließ er sich noch ein Jahr länger Zeit, zunächst erprobte er sein Glück als Opernkomponist im provinziellen Vicenza. 1714 eroberte er dann mit «Orlando finto pazzo» das venezianische Theater Sant’Angelo.
Ü...
Eine Frau betrügt ihren Mann mit einem Jüngling. Ihr Mann gibt ihr das Herz des Jünglings zu essen, woraufhin sie sich umbringt. Eine klassische Dreieckskonstellation mit blutigem Ausgang. Eine Geschichte, die erzählt werden will. Und in George Benjamins «Written on Skin» (siehe OW 9-10/2012) wird sie erzählt – vordergründig linear. Doch Martin Crimp spielt in...
