Aus dem Leben eines Taugenichts
Ich habe einen Hang zur Faulheit. Meine neueste Lebensentscheidung kann man deshalb nur als Irrsinn bezeichnen. Ich geb jetzt nämlich auch den Regisseur. Warum denn nicht? Zwei wichtige Voraussetzungen bringe ich mindestens mit: eine ordentliche Portion Arroganz und ein schrilles Outfit für die Premiere.
Vorgestellt hatte ich mir das folgendermaßen: Inspirierende Treffen mit den Ausstattern, Wein in rauen Mengen. Inspirieren tue in der Hauptsache ich selbst, und zwar nach dem Motto: «Ich will dies!» oder «Ich will das!», und schon – Simsalabim! – krieg ich alles gebastelt.
In den Proben sitze ich mit meinem Kaffeebecher lässig am Regiepult. Ich brauche nur zwei, drei geistreiche Scherzchen zu machen, schon hat das Ensemble die Vision kapiert: Die Sänger stellen mir exakt die Show auf die Beine, die in meinem Kopf schon läuft. Und abends nach der Probe gehen wir alle richtig nett essen. Als Sänger passiert mir das praktisch nie. Aber jetzt, wo ich die Dinge selbst in der Hand habe ...!
Tja, da war ich schief gewickelt.
Inzwischen hat sich rausgestellt, dass meine Ausstatter keineswegs ihr ganzes Leben nach mir richten und nach meinen Geistesblitzen schmachten. Die haben allen Ernstes ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Mal ehrlich, Seite 69
von Christopher Gillett
Wayne, Sie sind ursprünglich Tastenkünstler, dirigieren aber längst mehr, als Sie spielen. Wie kam’s zu diesem Sinneswandel?
Den habe ich wohl Simon Rattle zu verdanken. Eigentlich dachte ich, ich lande als Organist an einer englischen Kathedrale. Doch 1986 nahm mich meine Schwester als Begleiter für ein Vorsingen mit nach Glyndebourne, wo Simon «Porgy and Bess»...
Die schwebende Kantilene des Vorspiels, mit der Verdi Liebe und Tod der Violetta auf den Plan ruft, lässt Daniel Barenboim von den vierfach geteilten Streichern fein schattiert auftragen. Und er fügt den Phrasen eine Emphase des Seelischen hinzu: So nachdrücklich im An- und Abschwellen der Töne hört man das Preludio selten. Auf der Bühne begibt sich währenddessen...
Wer einen der populärsten Zeitromane der Weltliteratur vertont, hat einen Riesenvorteil: Jeder kennt den Stoff. Gerade bei zeitgenössischer Musik senkt das manche Schwelle. Mit dem Vorteil kommt aber auch ein Riesenproblem. Es bringt nämlich auch jeder eine ganz persönliche Vorstellung davon mit, welche Gestalt das Ganze annehmen sollte – und ist dann enttäuscht...
