Schattenriss
«Begeisterung»? Zu wenig. Auch mit «Fanatismus, Enthusiasmus» komme man nicht weiter. Der Neffe versicherte dem Onkel, «dass keiner dieser Begriffe das Entzücken ausdrücken kann, das diese Musik erregt hat». Nun dürfte der Neffe nicht sonderlich objektiv gewesen sein: Vincenzo Bellini selbst war der Absender, und der Brief kreiste um seine gerade uraufgeführte Oper «La straniera». Scala-Triumph, Nachspiel-Boom, das war’s dann auch schon bald.
Das krude Drama um eine geheimnisumwitterte, blaublütige Fremde, die vergeblich nach Liebe sucht, diente gelegentlich als Diven-Vehikel, zuletzt Edita Gruberova in Christof Loys Regie; bezeichnenderweise fehlen Joan Sutherland und Maria Callas in der Aufführungsgeschichte.
Umso bemerkenswerter, dass nun eine Bühne das Risiko wagt, von der man das am allerwenigsten erwartet hätte. Oder etwa doch? Seit 2008 bringt das Landestheater Niederbayern, an seinen Spielstätten Landshut, Passau und Straubing für die kulturelle Grundversorgung zuständig, regelmäßig Bellini heraus. Am Anfang stand gleich das Gipfelwerk der Gattung: «Norma». Ein Herzensanliegen ist das für Chefdirigent Basil H. E. Coleman, dem Beiläufig- und Gefälligkeit in diesen Partituren ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Markus Thiel
Zwölf Opern hat Charles Gounod geschrieben, dauerhafte Fortüne aber war nur «Faust», «Roméo et Juliette» sowie «Mireille» beschieden, jenen drei Werken also, in denen der Komponist die strikte Genre-Trennung des französischen Musiktheaters überwand zugunsten einer freieren, Lyrisches und Dramatisches mischenden Form. Seine Grand Opéras fielen schon bei ihren...
Wayne, Sie sind ursprünglich Tastenkünstler, dirigieren aber längst mehr, als Sie spielen. Wie kam’s zu diesem Sinneswandel?
Den habe ich wohl Simon Rattle zu verdanken. Eigentlich dachte ich, ich lande als Organist an einer englischen Kathedrale. Doch 1986 nahm mich meine Schwester als Begleiter für ein Vorsingen mit nach Glyndebourne, wo Simon «Porgy and Bess»...
Hereinspaziert, hereinspaziert! Es ist schwer was los im Trierer Dreispartenhaus. Karl M. Sibelius, der neue Intendant, macht mächtig Dampf. Allein das Musiktheater stemmte zwischen Saisonauftakt und Jahresende fünf Premieren. Zuletzt war der Schauspieler, Regisseur und Kulturmanager, der nun in der Römerstadt alles anders machen will als sein Vorgänger Gerhard...
